Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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standen  auch  in  Deutschland  derartige  Etablissements,  wo  in  riesigen
Extrakteuren  mehrere  hundert  Felle  mit  kaltem  Benzin  in  1—2  Stunden
extrahiert  werden,  worauf  in  geeigneten  Destillationsapparaten  eine
Regeneration  des  reinen  Benzins  und  eine  Ausscheidung  der  extrahierten
Fettsubstanzen  erfolgt.  Derartige  moderne  Betriebe  sind  besonders  im
Hinblick  auf  die  Erfüllung  der  Forderungen  von  Feuersicherheit  sehenswert, ­
  ihre  Rentabilität  ist,  da  die  Felle  bis  40°/,  (also  fast  die  Hälfte
des  Fellgewichtes!)  an  Cholesterinen  enthalten,  welche  zur  Seifen-  und
Kerzenfabrikation  Verwendung  finden,  eine  gute,  und  der  Standort
dieses  ganz  modernen  Industriezweiges  ist  selbstverständlich  auf  Hauptgerbereiplätze ­
  beschränkt.
Als  letztes  Abfallprodukt,  speziell  der  Weißgerberei,  kommt  noch  das
S  t  o  l  l  m  e  h  l  in  Betracht.  Ich  habe  am  Ende  des  ersten  Teiles  darauf
hingewiesen,  wie  wichtig  es  ist,  die  hohen  Ausgaben  für  das  feine  zum
Gerben  nötige  Mehl,  welches  beim  Stollen  der  Felle  fast  alles  wieder
ausgeschüttelt  wird,  zu  erniedrigen.  Wir  haben  dort  gesehen,  daß  an
Mehlquantität  und  -qualität  nicht  gespart  werden  kann.  So  erklären
sich  die  Versuche,  wenigstens  das  abfallende  Stollmehl  noch  zu  einem
angängigen  Preise  wieder  an  den  Mann  zu  bringen,  so  daß  der  Mehlbedarf ­
  einer  Glacegerberei  nur  noch  die  Kosten  zwischen  Einkaufspreis
des  reinen  Mehles  und  Verkaufspreis  des  Stollmehles  beträgt.  Das
Stollmehl  findet,  der  Zentner  allerdings  nur  um  wenige  Mark  verkauft, ­
  Verwendung  zu  Kleister  Z,  zu  Tapetenpappe  °),  zu  Viehfutter  und
zu  Weberschlichte 3 ).
Ein  Abfallprodukt  der  Sämischgerberei  stellt  das  sog.  Degras  dar;
es  besteht  aus  dem  beim  Walken  oxydierten  und  vom  Fell  nicht  gebundenen ­
  Tran,  welcher  nach  dem  Gerben  wieder  aus  dem  Fell  ausgewaschen ­
  werden  muß.  Dieses  Degras  trug  früher  trotz  seiner  Eigenschaften ­
  einer  geschätzten  Lederschmiere  doch  mehr  oder  weniger  den
Charakter  eines  Abfallstoffes,  während  heute  in  eigenen  Degrasfabriken
die  Überführung  des  Trans  in  Degras  fabrikmäßig  geleitet  wird,  so
daß  Sämischgerbereien  und  Degrasfabrikation  allerdings  auch  heute
noch  stets  verbunden  sind,  daß  aber  daneben  die  Herstellung  dieses
Produktes  als  selbständiger  Fabrikationszweig  vorkommt.
Zum  Schluß  sei  noch  hingewiesen  auf  die  Verwendung  der  abfallendenLohezu
  Düngemitteln  4 ),  zum  Räuchern 5 ),  vor  allen  Dingen
aber  ihre  Verwendung  zur  Lohheizung  °);  letzteres  hat  Veranlassung
gegeben  zur  Konstruktion  eigener  Lohepressen,  eigener  Lohefeuerungen,
0  Gerberzeitung  1882,  S.  254.  2 )  Gerber  1893,  S.  270.
8 )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  475.  4 )  Gerbercourier  1891,  Nr.  22.
6 )  Deutsche  Gerberzeitung  1882,  Nr.  60.
°)  A.  London  1851,  Bd.  I,  S.  422  f.
            
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