Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Also in 23 Familien (oder in 57,5 % der in Betracht kommenden 
Familien) kommen allerhöchstens 27 Fälle (oder 34,3 % der möglichen 
Fälle) von echter Erblichkeit des Handwerks im Laufe von 200 Jahren 
vorZ. Eine Berechnung des Wahrscheinlichkeitskoeffizienten der Erb 
lichkeit soll hier unterbleiben, da letzterer Wert nur einen Inhalt be 
kommt, wenn er mit dem einschlägigen Koeffizienten anderer Handwerke 
verglichen wird; letztere Vergleichung könnte allerdings, ebenso wie die 
Vergleichung von Hauskauf und Meisterwerdung, neues Licht über den 
verschiedenen Charakter der verschiedenen Handwerke verbreiten. 
Eine Untersuchung über die zu erwartende Beziehung zwischen 
Erblichkeit und Hausbesitz einerseits, zwischen diesen beiden Momenten 
und der materiellen Lage des Handwerks andererseits, welche ich an 
fänglich beabsichtigt hatte, und zu welcher auch Material vorbereitet 
war, muß hier leider unterbleiben; denn wir müßten von viel mehr 
Jrhern als bloß von 45,1 % über Wohnung und ihren Verbleib unter 
richtet sein. Außerdem bekommen alle diese Zahleuwerte einen ver- 
. gleichbaren Inhalt erst, wenn solche Koeffizienten auch von anderen 
Handwerken gewonnen sind. 
Jedenfalls sei zum Schlüsse noch einmal darauf hingewiesen, daß 
die Erblichkeit im Handwerk der Nürnberger Jrher eine viel geringere 
ist, als der allgemeinen Annahme entspricht; Erblichkeit im Handwerk, 
die Bildung geschlossener Klassen, Hochzucht einer Familie in der Tra 
dition ihres Handwerks, Erhaltung eines Handwerks durch die Erblichkeit 
an gewissen Orten, in gewissen Straßen, auf gewissen Häusern, das sind 
Vorstellungen und Zusammenhänge, mit welchen allenthalben in den ge 
werblichen Schriften über Altertum und Mittelalter operiert wird; für das 
Altertum diese Verhältnisse statistisch nachzukontrollieren, dazu fehlt leiderdas 
Material; in dem von uns untersuchten Falle ist die Erblichkeit gering. 
Zum Schlüsse sei noch ein Beispiel angeführt von einer „typischen 
Weißgerberfamilie", nämlich der Familie Aichinger, deren Geschichte 
sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen läßt. Ihr 
Stammvater Wolff Aichinger") war Weißgerber, und von seinen bis 
1909 beobachteten männlichen Nachkommen (es sind im ganzen 444, 
ohne die Kinder unter 14 Jahren sind es 321) waren Weißgerber 46, 
also 10,3 °/ 0 von 444, oder 14,5% von 321, und das in einem Zeit 
raume von über 300 Jahren. 
8 34. Die örtliche Lage der Weißgerbereien. 
Ähnliche Vorstellungen wie über die Erblichkeit findet man über die 
örtliche Lage der Handwerkerwohnungen: Movers sagt von den Phöni- 
0 Dieser Prozentsatz sinkt auf 12,1%, wenn man die in Tabelle I ausge 
schiedenen 149 einzelnen Familien in Rechnung zieht. 2 ) Sperl 1909, S. 14/15..
	        
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