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Über den Standort der alten Weiß- und Sämischgerberei
läßt sich verhältnismäßig wenig erfahren. Die in § 26 gegebenen Zahlen
für Rotgerber und für Weißgerber geben uns auch das Material an
die Hand, einiges über den Standort der Weißgerbereien auszusagen;
denn der statistische Begriff des Standortes ist ein zahlenmäßiges Verhältnis
auf Grund einer statistischen Erhebung, sei es nach der Zahl
der in einem Gewerbe beschäftigten Personen, oder noch besser, nach
der Menge der erzeugten Güter. Eine genauere Kenntnis des letzteren
Verhältnisses nun zu irgendeiner Zeit fehlt uns vollkommen. Die
Kenntnis des ersteren Verhältnisses ist außerordentlich lückenhaft; denn
die in § 26 gegebenen Meisterzahlen orientieren nicht über die Zahl
der überhaupt beschäftigten Personen.
Es gewinnt jedoch im allgemeinen den Anschein, als ob in großen
und kleinen Städten, wie auch in den späteren Landzünften, woraus
ja schon hingewiesen wurde, eben auf Grund der verschiedenen Produktionsgeschwindigkeiten
wie auch auf Grund der verschiedenen materiellen
Lage normalerweise mehr Rotgerber vorhanden waren als Weißgerber;
da aber eine gedrücktere materielle Lage auch weniger Hilfskräfte
beschäftigt, so mögen die Zahlenverhältnisse der Meisterzahleu
immerhin ein Bild, wenn auch nicht gerade einen quantitativen Ausdruck
der Verteilung beider Gewerbe geben; denn die Zahl der Rotgerber
muß für uns, da Einwohnerzahlen meistens fehlen, eine — wenn auch
mißliche — Grundzahl bilden, auf welcher das Verhältnis fußt.
2—3 Rotgerber auf eineu Weißgerber ist ein Verhältnis, welches
man in mittelalterlichen Städten häufig findet; es ist möglich, daß diese
Verteilung der normalen Bedürfnisbefriedigung entspricht; eine sehr
starke Verschiebung dieses Verhältnisses mag dann angesehen werden
als der Ausdruck eines über den lokalen Bedarf überwiegenden Vorhandenseins
von Rotgerbern oder Weißgerbern.
Wir haben weiter gesehen, daß das sinkende Handwerk des 18.
und 19. Jahrhunderts schneller bei den Weißgerbern zurückgegangen ist
als bei den Rotgerbern: es sind in Volkach um die Mitte des 18. Jahrhunderts
vorhanden
8 Rotgerber und 1 Weißgerber *),
es ist hier das Verhältnis also 1:8; ähnliche Verhältnisse zeigen auch
die in § 26 aufgeführten Zahlenreihen; sie lassen eine Verschiebung
dieses Verhältnisses gut beobachten, und es möge genügen, wenn ich
hier das Würzburger Beispiel wiederhole:
Rotgerber Weißgerber Verhältnis
1808 16 8 2:1
1833 15 5 3:1
__ 1852 11 2 5,5:1
l ) Würzburg, 18/19.