Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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aus  Afrika  r )  über  Griechenland 2 )  nach  Italien 3 ),  dann  nach  Spanien,
weiter  nach  Mitteleuropa  und  von  da  über  England  nach  Australien,
Südafrika  und  Südamerika  genauer  zu  verfolgen,  würde  hier  zu  weit
führen.  Auch  soll  hier  nur  kurz  darauf  hingewiesen  werden,  daß  bei
einer  solchen  Wanderung  durch  verschiedene  Klimata  und  Existenzbedingungen ­
  die  Haut  eines  Tieres  ganz  beträchtlichen  Veränderungen
unterworfen  ist 4 ),  daß  weiter  diese  Wanderungen  der  Haustiere  zwecks
Ansammlung  großer  Massen  derselben  immer  an  die  Peripherie  der
jeweiligen  großen  Wirtschaftsgebiete  im  Sinne  des  v.  Thünenschen  Gesetzes ­
  5  * )  erfolgen,  und  daß  mit  der  Angabe  des  Weges  solcher  Wanderungen ­
  immer  auch  die  Hauptprovenienzgegenden  einer  Fellart  angedeutet ­
  sind.
Wenn  wir  nun  nach  den  Hauptverwendungen  des  Schaffelles
fragen,  so  erhalten  wir  hierauf  eine  äußerst  vielgestaltige  Antwort.
Die  Haut  des  Schafes  ist  in  gemäßigten  Klimaten  die  Trägerin
eines  dichten  Vlieses,  und  demgemäß  findet  das  Schaffell  sogar  unter
der  Kategorie  der  Pelze  seinen  Platz.  So  ist  es  nicht  nur  auf  einfacheren ­
  Stufen  der  Wirtschaft,  wie  bei  Kirgisen 3 )  zu  Kleidungsstücken,
bei  Bulgaren 7  * )  zu  Beschuhungszwecken,  sondern,  so  oft  wir  gelegentliche
Kunde  erhalten 3 ),  sehen  wir  die  natürliche  Decke  des  Schafes  auch  als
Pelz  verwendet;  weiße,  schwarze,  gefärbte,  blaue  Lammfelle  werden
dann  genannt,  sie  spielen  eine  nicht  unbedeutende  Rolle  in  der  heutigen
Kürschnerei,  und  fast  jeder  noch  so  kleine  Weißgerber,  welchen  man  besucht, ­
  sei  es  in  Städtchen  oder  in  noch  kleineren  Plätzen,  hat  unter  dem
wenigen,  was  er  gerbt,  immer  auch  einige  Schaf-  oder  Lammpelze  zur
Lohnarbeit.
In  der  Lohgerberei  des  Mittelalters  mag  das  Schaffell  im  Vergleich ­
  mit  dem  Verbrauch  der  modernen  vegetabilischen  Gerbung  an
Schaffellen  nur  eine  geringe  Rolle  gespielt  haben.  Nur  gelegentlich
erfahren  wir  —  es  sei  darauf  der  Merkwürdigkeit  halber  besonders  hingewiesen, ­
  weil  dies  im  Gegensatz  zu  deutschen  Verhältnissen  den  ganz
anders  gearteten,  nämlich  mehr  auf  Feinlederindustrie  gestimmten  Charakter ­
  der  spätmittelalterlichen  französischen  Lohschasfellgerberei  andeutet ­
  —,  daß  die  Pariser  Weißgerber  ausgesuchte  Schaffelle  nach  Rouen,
Orleans,  Dreux  schickten,  und  zwar  zur  Verfertigung  lohgaren  Leders 9 ).
')  Beckmann  1806,  S.  4.  2 )  Blümner  1869,  S.  63.
3 )  Marquardt  1882,  S.  414.
4 )  Vgl.  z.  B.  Beckmann  1805,  S.  4;  Friedrich  1911,  S.  4.
6 )  Vgl.  hierzu  für  das  Altertum:  Wiskemann  1859,  S.  20,  36,  79  f.
°)  Pelzer  1837,  S.  259;  Ratzel  1895,  Bd.  II,  S.  549.
')  Jwanlschoff  1896,  S.  31.
*)  Vgl.  Nürnberg  1589;  Königsberg  1737;  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  312.
°)  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  105.
            
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