Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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braucht  worden  war,  zum  Einsalzen  der  Häute  ihres  ausgeschlachteten
Viehes  geliefert  werden;  sogar  eine  Denaturierung  dieses  Salzes  war
vorgesehen  und  zwar  sollte  das  Salz  für  die  Metzger  mit  Asche,  das
für  die  ungarischen  Lederarbeiter  mit  Alaun  denaturiert  werden  *).
Man  sieht  daraus  zugleich,  in  welch  charakteristischer  Weise  die  neuen
Wirtschaftsideen  immer  an  den  Punkten  eingriffen,  deren  Lösung  eine
kapitalistische  Gestaltung  des  Erwerbslebens  am  leichtesten  ermöglichten.
Immerhin  war  das  Salz  damals  noch  ein  für  solche  Verwendung  ziemlich ­
  kostspieliger  Artikel,  das  Pfund  solchen  mit  Alaun  denaturierten
Salzes  kostete  4  Sols  gegenüber  12  Sols  für  das  Kochsalz,  aber  schon
um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  wurden  brasilianische  Häute  auch
schon  in  trocken  gesalzener  Forint  nach  Europa  exportiert.  Eine
stärkere  Verwendung  des  Salzes  zum  Konservieren  des  einheimischen
Gefälles  begann  in  den  40  er,  50  er  Jahren 3 )  durch  die  Erzeugung  von
Gewerbesalz,  ein  großer  Gewinn  für  die  Gerber;  denn  zunächst  war  es
«in  Mittel,  das  Ansammeln  größerer  Vorräte  zu  erleichtern  und  damit
den  Handel  mit  Rohware  zu  unterstützen;  die  bisherige  Vorbedingung
Zum  Konservieren  der  Rohware,  nämlich  große  Bodenräume,  welche
nur  der  begüterte  Häutehändler  besessen  hatte,  fiel  damit  weg,  und
jeder  Sammler  und  Aufkäufer  mit  kleinem  Besitz,  welcher  einen  Stall
leer  stehen  hatte,  konnte  durch  die  Salzung  seine  Ansammlung  unabhängig ­
  von  den  größeren  Händlern  auf  eigene  Hand  an  den  Mann
bringen  und  Handel  mit  dem  Gerber  direkt  treiben.  Der  Betrug
seitens  dieser  kleinen  Ausammler  durch  die  Salzung  trieb  in  jener  Zeit
tolle  Blüten  Z.  Seit  dieser  Zeit  hat  sich  die  Salzung  immer  mehr
eingebürgert,  sie  griff  hinüber  nach  Amerika B ),  von  wo  die  südamerikanischen ­
  Ochsen-  und  Kuhhäute  mehr  und  mehr  in  gesalzenem  Zustande
zu  uns  gelangen;  in  den  großen  Importhäfen  Europas,  etwa  Liverpool,
London,  Hamburg  usw.  sieht  man  heute  ganze  Berge  von  Salz  liegen,
welche  aus  der  Konservierung  der  importierten  südamerikanischen  Häute
stammen,  und  auch  trocken  und  naß  gesalzene  Ziegen-  und  Schaffelle ­
  stellen  einen,  wenngleich  bis  jetzt  auch  nur  kleinen  Teil  der  Einfuhr ­
  dar").  Am  einleuchtendsten  wird  die  Bedeutung  der  Salzung  für
den  modernen  Häutehandel  inländischen  Gefälles  aber,  wenn  man  die
verödeten  Werkstätten  der  alten  Gerbermeister  in  kleine  Speicher  umgewandelt ­
  findet,  in  welchen  die  zentralistisch  organisierten  Häuteverwertungsgesellschaften
  durch  ihre  über  das  ganze  Land  verstreuten
Agenten  alles  anfallende  Hautmaterial  vertragsmäßig  ansammeln,  ein
Vorgang,  welcher  eine  billige  und  bequeme  Konservierungsmethode  zur
0  Ebenda.  2 )  Hermbstiidt  1807,  Bd.  II,  S.  175.
3 )  Schuh  und  Leder  1908,  Nr.  10,  S.  58.  4 )  Ebenda.
5 )  Heinzerling  1883,  S.  16.  °)  Jörissen  1909,  S.  52.
            
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