Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Voraussetzung  hat,  und  dessen  technische  Unterlage  eben  die  Salzung
darstellt.
Neben  dem  Salzen  hat  man  sich,  da  man  die  Wichtigkeit  zweckmäßiger ­
  Konservierung  frühzeitig  erkannte,  auch  noch  um  andere  Konservierungsmethoden ­
  bemüht.  Schon  Hermbstädt  2 )  schlug  um  die  Wende
des  18.  Jahrhunderts  die  Behandlung  mit  verdünnter  Schwefelsäure
vor,  verdünnte  Säuren  hat  man  dann  immer  wieder  versucht,  das  sog.
Pickeln  der  Amerikaners  geschieht  durch  Legen  der  Häute  in  starke
Kochsalzlaugen,  welche  mit  etwas  Schwefelsäure  versetzt  sind,  und  die
Methode  der  Räucherung 8 ),  welche  früher  eine  gewisse  Rolle  gespielt
hat,  kommt  heute  fast  nicht  mehr  vor.  Ein  eigenartiges  Bild  gewähren
die  unter  dem  Namen  „Kipse"  bekannten  Rohwaren;  es  sind  dies
Häute  und  Felle,  welche  mit  dem  zu  einem  Brei  angerührten  Konservierungsmittel ­
  bestrichen  sind.  Schon  im  17.  Jahrhundert  kamen  aus
Amerika  Damhirschfelle,  welche  mittels  einer  in  Amerika  vorkommenden
Erde  zubereitet  waren 4 ),  stellenweise  wendet  man  einen  Kalkbrei  °)  an,
in  Westindien 8 )  und  auch  in  Ostindien  7 ),  wo  Kochsalz  selten  und  teuer
ist,  wird  eine  dort  vorkommende  stark  Glaubersalz  haltige  Erdart,  welche
mit  Wasser  zu  einem  dicken  Brei  angerührt  und  dann  auf  der  Fleischoder ­
  Aasseite  ausgestrichen  wird,  zur  Häutekonservierung  verwendet;
man  nennt  derartige  konservierte  Rohware  „Belegte  Kipse",  während
man  die  neuerdings  in  manchen  Gegenden  mit  Arsenik  behandelten
„arsenifizierte  Kipse"  oder  „Arsenikkipse"  nennt.
Eine  immer  größere  Rolle  in  der  auswärtigen  Handelsstatistik
spielen  die  sog.  „halbgaren"  Felle.  Es  sind  das  Schaf-  und  Ziegenfelle ­
  meist  aus  Ostindien 8 ),  aber  auch  anderer  Provenienzen,  welche  von
den  dort  ansässigen  Exportgesellschaften  mit  vegetabilischen  Gerbstoffen
oder  mit  Chrom  zur  Konservierung  vorgegerbt  werden.
Eine  dritte  Methode  zur  Konservierung,  welche  man  neben  der
Entziehung  von  Wasser  durch  Trocknen  und  neben  der  Desinfektion
durch  antiseptische  Mittel  anwendet,  sind  die  noch  nicht  sehr  weit  über  das
Verbrauchsstadium  hinausgekommenen  Methoden  der  Anwendung  niedrigerTemperaturenzur
  Konservierung  von  rohen  Fellen  und  Pelzen 9 ).
Über  all  diese  hier  kurz  gestreiften  Konservierungsmethoden  existiert
in  den  Fachzeitschriften  eine  riesenhafte  Litteratur,  welche  neuerdings
immer  mehr  an  Bedeutung  gewinnt,  als  sich  die  nationale  Gesetzgebung
verschiedener  Länder,  so  von  Deutschland,  England,  Vereinigte  Staaten
')  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  175.  2 )  Dämmer  1911,  Bd.  III,  S.  913—914.
s)  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  191.  *)  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  120.
5 )  Jörissen  1909,  S.  40.  *  6 )  Heinzerling  1882,  S.  16.
7 )  Dämmer  1911,  Bd.  III,  S.  914.  »)  Jörissen  1909,  S.  40.
9 )  Schuh  und  Leder  1898,  Nr.  40,  S.  37-39.
            
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