Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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punkt.  Die  Denkschrift  erklärt  auf  Seite  61  ausdrücklich:  »Wie
gegenüber  weit  verbreiteten  Missverständnissen  scharf  hervorgehoben ­
  werden  muss,  ist  demnach  die  Temperatur,  bei  welcher
sich  im  Behälter  einer  Petroleumlampe  Gasgemenge  bilden,  die  bei
Berührung  mit  einer  Flamme  explodieren,  ganz  erheblich  höher
als  der  für  das  benutzte  Oel  mit  Hilfe  des  Abelschen  Probers
ermittelte  Entflammungspunkt«.  Also  das  konsumierende  Publikum ­
  ist  ausreichend  geschützt.
Nun  hat  man  gegen  die  Festsetzung  des  Testpunktes  auf  nur
21°  C.  den  Einwand  erhoben,  es  werde,  da  einige  andere  Länder
(wie  z.  B.  England  einen  um  1,8°  C.)  höheren  Entflammungspunkt
verlangten,  das  anderswo  unverkäufliche  schlechte  Petroleum  nach
Deutschland  abgeschoben.  Diesem  Einwand  ist,  wie  sich  auch
die  schon  zitierte  Denkschrift  auslässt,  entgegenzuhalten,  dass  der
bei  uns  niedriger  angesetzte  Testpunkt  sich  als  vollständig  ausreichend ­
  erweist.  Auch  das  Verlangen  nach  dem  Vorhandensein
bestimmter  »Herzeigenschaften«  des  Petroleums,  das  man
öfter  gestellt  hat,  ist,  wie  Graf  Posadowsky  am  9.  Dezember
1897  im  Reichstag  erklärte,  nach  Ermittelungen  des  Reichsgesundheitsamtes ­
  nicht  gerechtfertigt,  da  die  Verschiedenheit  der  Herzeigenschaften ­
  der  einzelnen  Sorten  nicht  wesentlich  genug  ist,  um
daraufhin  irgend  welche  Massregeln  gegen  ein  bestimmtes  Petroleum ­
  zu  ergreifen.
Sodann  aber  —  und  das  ist  ein  äusserst  gewichtiges  volkswirtschaftliches ­
  Moment  —  würde  schon  die  Erhöhung  des  Testpunktes ­
  um  2 0 ,  also  auf  23  °,  wie  man,  zumeist  von  interessierter
Seite,  als  Kampfmassregel  gegen  den  Trust  empfohlen  hat,  eine
fühlbare  dauernde  Verteuerung  des  Petroleums  im  Gefolge  haben.
Amerika  könnte  infolge  der  sich  notwendig  machenden  sorgfältigeren ­
  Raffination  nicht  mehr  so  billig  liefern  wie  bisher  und
müsste  höhere  Preise  fordern.  Die  trustfeindlichen  Gesellschaften
könnten  zwar,  wie  wohl  anzunehmen  ist,  ihre  jetzige  Raffinationsart ­
  bestehen  lassen,  denn  ihre  Oele  zeigen  auch  jetzt  schon  wegen
der  besonderen  Art  ihrer  Zusammensetzung  einen  durchweg  weit
höheren  Entflammungspunkt,  als  ihn  das  von  der  D.-A.  P.-G.  vertriebene ­
  Oel  besitzt.  Wie  ich  aber  in  den  vorstehenden  Kapiteln
gezeigt  habe,  reicht  ihre  Leuchtölproduktion  noch  bei  weitem
nicht  zur  Deckung  des  deutschen  Bedarfs  aus.  Also  wäre  man
nach  wie  vor  auf  Bezug  von  der  St.O.C.  bez.  der  D.-A.  P.-G.
angewiesen.  Nun  haben  aber  die  letzten  Jahre  den  Gesellschaften
            
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