Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

nicht  mehr,  besser  gesagt  noch  nicht  konkurrenzfähig.  Aber  wie
es  gelang,  die  einfache  Petroleumlampe  immer  besser  zu  konstruieren, ­
  wie  man  den  Brenner  verbesserte,  Höhe,  Weite  und
Gestalt  des  Cylinders  ins  beste  Verhältnis  zu  Brenner  und  Docht
setzte,  so  arbeitet  auch  die  Industrie  der  übrigen  Beleuchtungsarten ­
  rastlos  und  mit  Erfolg  an  deren  Vervollkommnung  und  —
Verbilligung.
Würde  der  Trust  eine  grössere  allgemeine  Hinaufsetzung  der
Preise  diktieren,  so  würde  allerdings  in  der  ersten  Zeit  die  übrige
Beleuchtungsindustrie  einfach  unfähig  sein,  der  riesenmässig  gesteigerten ­
  Nachfrage  zu  genügen.  Sie  ist  eben  noch  nicht  auf
einen  so  schnell  auftretenden  Massenkonsum  eingerichtet.  Man
würde  trotz  allen  Sträubens  einfach  gezwungen  sein,  beim  Trust
zu  kaufen,  und  dieser  würde  ungezählte  Millionen  in  seine  Tasche
stecken.  Aber  nur  kurze  Zeit,  denn  bald  hätte  sich  die  Industrie
den  veränderten  Verhältnissen  angepasst.  Die  Folge  davon  wäre,
dass  der  Trust  einen  grossen  Teil  seines  Absatzgebietes  unwiederbringlich ­
  verlöre.  Die  Erbitterung  wäre  zu  gross,  als  dass  einer,
der  es  irgend  vermöchte,  anderswo,  wenn  auch  etwas  teurer,  zu
kaufen,  wieder  auf  das  Petroleum  zurückgreifen  sollte,  wenngleich
der  Trust  die  Preise  vielleicht  wieder  beträchtlich  herabgesetzt
hätte.  Er  liefe  Gefahr,  zu  seinem  Schaden  über  kurz  oder  lang
eine  Erneuerung  des  Experiments  zu  erfahren.  Damit  wären  aber
die  ungeheuren  in  Schiffen,  Tanks,  Wagen,  Behältern  und  sonstigen
Anlagen  investierten  Kapitalien  des  Trusts  hoffnungslos  entwertet.
Dessen  leitende  Kräfte  sind  aber  zu  weitblickende  Kaufleute,  um
durch  einen  wenn  auch  immensen  Augenblicksgewinn  sich  die
Ernte  für  lange  Jahre  der  Zukunft  zu  zerstören.
Als  Konkurrent  des  Petroleums  kommt  zunächst  das  Spiritusglühlicht ­
  in  Frage.  Seine  Vorteile  gegenüber  dem  Petroleum
sind  in  erster  Linie  eine  grössere  Lichtstärke,  die  es  zur  Verwendung ­
  gerade  in  grösseren  Zimmern  geeigneter  macht.  Zweitens
erzeugt  es  so  gut  wie  gar  keine  Wärmewirkung,  die  beim  Petroleum ­
  häufig  als  sehr  störend  empfunden  wird.  Es  verunreinigt
auch,  was  hygienisch  sehr  wichtig  ist,  die  Zimmerluft  in  weit  geringerem ­
  Masse.  Nach  Professor  Wittelshöfer  (in  einem  von  der
Zentrale  für  Spiritusverwertung  herausgegebenen  Katalog)  gibt
eine  Spiritusglühlichtlampe  von  25  Kerzen  pro  Stunde  86  g
(schädlicher!)  Kohlensäure  an  den  Raum  ab,  während  eine  gleich
starke  Petroleumlampe  234  g,  also  fast  dreimal  so  viel,  abgibt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.