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der Sammelposition ein ganz erheblicher Teil der Importe
einem Wertzoll unterworfen blieben. Anderseits war die Klassi
fizierung so verwickelt, die Unterscheidungen der Spezialzölle so
fein und winzig, die Prüfung inkorrekter und oft betrügerischer
Angaben so mühevoll, das Bestellen von kompetenten Über
wachungsbeamten angesichts der kleinen Qehälter, die die Re
gierung bot, so schwer, daß das neue System in der Praxis sich
nicht viel besser erwies, als das alte. Aber es waren nicht diese
Verwaltungsschwierigkeiten, die zu der völligen Rückkehr zum
alten Wertsystem führten. Es war unzweifelhaft sicher, daß das
verwickelte System der Spezialzölle Unzuträglichkeiten enthielt.
Der einzig sichere Weg, diese unschönen Zusätze der früheren
l’arifgesetze los zu werden, war durchweg den Wertzoll in An
wendung zu bringen.
Die Zollsätze auf Seidenfabrikate sind verhältnismäßig
hoch geblieben —- bei den meisten Waren 45%. Die Ermäßigun
gen sind keineswegs so erheblich wie bei Baumwolle und Wolle.
k>abei ist zu beachten, daß ein Zoll von 45% eher Veranlassung
zur Unterbewertung gibt, als ein solcher von 30%; auch fällt es
bei der ungewöhnlichen Verschiedenheit von Seidenfabrikaten
schwer, die Angaben des Importeurs über den Marktwert und
eine eventuelle Unterbewertung zu prüfen. Die inländischen
Seidenfabrikanten haben nicht schlecht abgeschnitten. Dies er
klärt sich augenscheinlich dadurch, daß Seidenstoffe als Luxus
artikel betrachtet und deshalb einem entsprechend höheren Zoll
als andere Textilwaren unterworfen werden. Bei der Besteuerung
von Luxusartikeln mußte man allerdings die Einkommensverhält-
uisse der davon betroffenen Personen in höherem Maße berück
sichtigen und daher war es richtig, die inländische Ware ebenso
'vie die ausländische zu besteuern. Ein Zollsatz, der zum Zweck
der Erlangung von Einkünften so hoch ist, daß er im großen Maß
stabe einen Import verhindert oder fast verbietet, ist offensicht
lich töricht. Nicht mit Unrecht vermutet man, daß eine derartige
Absicht hei den Seidenzöllen Vorgelegen hat. Bei den meisten
Seidenstoffen wirken die Zölle nach wie vor prohibitiv. Ein
niedrigerer Satz würde vielleicht mehr Einkünfte ergeben haben,
und wäre auch mit dem Wettbewerbsprinzip besser in Einklang
Zu bringen gewesen.