Full text: Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913

23 
der Sammelposition ein ganz erheblicher Teil der Importe 
einem Wertzoll unterworfen blieben. Anderseits war die Klassi 
fizierung so verwickelt, die Unterscheidungen der Spezialzölle so 
fein und winzig, die Prüfung inkorrekter und oft betrügerischer 
Angaben so mühevoll, das Bestellen von kompetenten Über 
wachungsbeamten angesichts der kleinen Qehälter, die die Re 
gierung bot, so schwer, daß das neue System in der Praxis sich 
nicht viel besser erwies, als das alte. Aber es waren nicht diese 
Verwaltungsschwierigkeiten, die zu der völligen Rückkehr zum 
alten Wertsystem führten. Es war unzweifelhaft sicher, daß das 
verwickelte System der Spezialzölle Unzuträglichkeiten enthielt. 
Der einzig sichere Weg, diese unschönen Zusätze der früheren 
l’arifgesetze los zu werden, war durchweg den Wertzoll in An 
wendung zu bringen. 
Die Zollsätze auf Seidenfabrikate sind verhältnismäßig 
hoch geblieben —- bei den meisten Waren 45%. Die Ermäßigun 
gen sind keineswegs so erheblich wie bei Baumwolle und Wolle. 
k>abei ist zu beachten, daß ein Zoll von 45% eher Veranlassung 
zur Unterbewertung gibt, als ein solcher von 30%; auch fällt es 
bei der ungewöhnlichen Verschiedenheit von Seidenfabrikaten 
schwer, die Angaben des Importeurs über den Marktwert und 
eine eventuelle Unterbewertung zu prüfen. Die inländischen 
Seidenfabrikanten haben nicht schlecht abgeschnitten. Dies er 
klärt sich augenscheinlich dadurch, daß Seidenstoffe als Luxus 
artikel betrachtet und deshalb einem entsprechend höheren Zoll 
als andere Textilwaren unterworfen werden. Bei der Besteuerung 
von Luxusartikeln mußte man allerdings die Einkommensverhält- 
uisse der davon betroffenen Personen in höherem Maße berück 
sichtigen und daher war es richtig, die inländische Ware ebenso 
'vie die ausländische zu besteuern. Ein Zollsatz, der zum Zweck 
der Erlangung von Einkünften so hoch ist, daß er im großen Maß 
stabe einen Import verhindert oder fast verbietet, ist offensicht 
lich töricht. Nicht mit Unrecht vermutet man, daß eine derartige 
Absicht hei den Seidenzöllen Vorgelegen hat. Bei den meisten 
Seidenstoffen wirken die Zölle nach wie vor prohibitiv. Ein 
niedrigerer Satz würde vielleicht mehr Einkünfte ergeben haben, 
und wäre auch mit dem Wettbewerbsprinzip besser in Einklang 
Zu bringen gewesen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.