Full text: Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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gleichzeitig eine früher kaum geahnte Unsicherheit der Exi 
stenz mit in den Kauf nehmen mußte. Allmählich kam 
man ja vorwärts, aber niemand konnte sich des Sieges 
recht freuen, die Opfer waren zu groß. Nach außen sah 
man zunächst nur den Gegensatz zwischen Fortschritt und 
Armut, der wie ein Hohn zu der Lehre von der Harmonie 
der Interessen paßte. Diese Tatsachen und Gedanken 
mußten der Generation, die nun allmählich zur Rüste geht, 
in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. 
In jener Übergangszeit war es auch, wo Carl Marx 
seine Lehre verkündigte, die den Kausalnexus zwischen 
Fortschritt und Armut aufzudecken schien und darüber 
hinaus noch das Mittel bot, „die Erkenntnis über das 
gegenwärtig Bestehende hinaus zu leiten, aus dem Gegen 
wärtigen die Keime des Zukünftigen zu erkennen und 
danach Forderungen zu stellen.“ Es war in der Tat gleich 
sam „das Selbstverständliche“, „das Nächstliegende“, das 
Marx in seiner Zeit entdeckte und offenbarte. Das „Sein“ 
wollte er erkennen, nicht das „Seinsollen.“ Gerade daraus 
hätten die wissenschaftlichen Sozial-Ökonomen reiche An 
regung schöpfen können, um den wissenschaftlichen Klassi 
zismus nicht zu besiegen, aberweiter zu bilden; sie brauch 
ten deshalb gewiß keine Marxisten zu werden. Aber man 
sah in dem Marxismus nur die „Umsturzgefahr“, man 
las aus ihm das heraus, was eigentlich gar nicht in ihm 
enthalten war, die Kritik der bestehenden Gesellschafts 
und Wirtschafts-Ordnung. Man betrachtete es als die vor 
nehmste Aufgabe der Wissenschaft zu retten, was noch 
zu retten war: die Politik ließ die Wissenschaft nicht auf- 
kommen. 
„Das letzte Ziel aller Erkenntnis ist eben ein prak 
tisches. Der Wille bleibt immer der Regent und Herrscher
	        
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