Full text: Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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lungen auch für wissenschaftliche, für theoretische Leistungen. 
Angesichts der enormen Quantität des dargebotenen Stoffes 
meinte Professor Fuchs 1901, daß wir seit 1886 theoretisch 
in Deutschland die Wohnungsfrage bemeistert hätten. 
8 Jahre später erklärte sein Nachfolger im Lehramte an 
der Freiburger Universität, Diehl, bei seiner Antrittsrede, 
daß wir zwar eine Menge tatsächlichen Stoffes, eine Fülle 
von Detail-Untersuchungen über die Wohnungszustände 
aus allen Ländern besäßen, aber als man dann an die 
eigentliche Wohnungs-Reform-Politik herangetreten sei, 
habe man gefunden, daß die Hauptsache noch zu erledigen 
blieb, Klarheit zu schaffen über die theoretisch-systematische 
Seite der Wohnungsfrage: „Wer praktische Wohnungs 
politik treiben will und daher die hohen Wohnungspreise 
bekämpfen will“, so meint Diehl 0, „sollte doch vor allem 
über die Frage im klaren sein: Sind diese hohen Preise 
durch die Grundrente oder durch die hohen Baukosten 
verursacht? Sind die Preise durch die Spekulation künst 
lich in die Höhe getrieben oder entsprechen sie dem Ver 
hältnis von Angebot und Nachfrage.“ Gewiß, man hatte 
auch schon vor 1891 Antworten auf diese Frage, aber 
Antworten, die in geradezu klassischer Weise zeigen — 
ich weise nur hin auf die jetzt von der Wissenschaft in der 
Hauptsache fast einstimmig aufgegebenen Arbeiten von 
Eberstadt 2 ) — wie verhängnisvoll es für den praktischen 
Politiker werden kann, wenn er sich nicht auf die Lehren 
1) a. a. O. S. 309. 
2) „Die Lehren Eberstadts und seiner Anhänger beruhen auf 
einer vollständigen Verkennung der Grundlagen der Volkswirtschafts 
lehre und es ist wenig rühmlich für den Stand dieser Wissenschaft in 
Deutschland, daß sie unter ihren berufenen Vertretern einen derartigen 
Anhang gewinnen konnten Durch die Befolgung der Rat 
schläge, die von dieser Seite gegeben werden, würde den-
	        
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