Full text : Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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teilen,  sie  davon  zu  überzeugen,  was  er  für  wahr  erkannt
hat  und  er  hofft,  daß  seine  Lehre  mit  benutzt  werde  als
Baustein  für  den  kulturellen  Fortschritt.  Diese  Hoffnung
kann  sich  aber  nur  verwirklichen,  wenn  die  Gedanken  zum
Gemeingut  des  Volkes  werden,  wenn  die  öffentliche  Meinung
sich  von  ihnen  beeinflussen  läßt.
So  will  also  der  Sozial-Ökonom  bewußt  oder  unbewußt ­
  von  seinem  Standpunkte  aus  die  öffentliche  Meinung
mit  dirigieren  helfen.  Auf  der  anderen  Seite  aber  ist  es
umgekehrt  die  öffentliche  Meinung,  die  ihn  dirigiert  auch
dann,  wenn  er  mit  Marx  selbstbewußt  seinen  Weg  geht
und  „die  Leute  reden  läßt.“  Mit  Herbart  müssen  wir  bekennen, ­
  daß  das,  was  der  einzelne  seine  Persönlichkeit
nennt,  nur  ein  Gewebe  von  Gedanken  und  Empfindungen
ist,  deren  bei  weitem  größter  Teil  nur  wiederholt,  was  die
Gesellschaft,  in  deren  Mitte  er  lebt,  als  ein  geistiges  Gemeingut ­
  besitzt  und  verwaltet.  „Die  ganze  Masse  von
Vorstellungen  kommt  ebenso  gewiß  wie  die  Muttersprache
von  außen.“
Das  ist  unzweifelhaft  richtig,  aber  viel  zu  weit  geht
man,  wenn  man  behauptet,  daß  das  Individuum  in  seinem
Reden  und  Handeln  nur  die  Anschauungen,  Gesinnungen,
Tendenzen  seiner  Gruppe  ausdrücken  könne.  Immer  wieder
zeigt  die  Geschichte,  daß  kraftvolle  Einzelpersönlichkeiten
sich  über  die  Gruppe  erheben,  ja  sogar  die  Gruppen,  das
Volksganze  sich  unterwerfen.  Leicht  ist  das  freilich  nicht,  nur
in  Ausnahmefällen  gelingt  es,  und  wo  es  nicht  gelingt,
da  wird  derjenige,  der  es  gewagt  hat,  aus  dem  „geistigen
Dunstkreise“  seiner  Gruppe  heraus  zu  treten,  bitter  dafür
büßen  müssen,  daß  er  unangenehme  Störung  verursacht.
So  selten  nun  auch  der  Versuch  einer  Revolution  im  Volksgeiste ­
  durchschlagenden  Erfolg  hat,  so  selten  wird  anderer-
            
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