Full text : Geldwert in der Geschichte

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Andreas  Walther

Die  Tragweite  jener  Abweichungen  für  unsere  Forschung
wird  vielleicht  deutlich  durch  einen  Blick  auf  die  Geschichte
der  Wissenschaft.  Wir  haben  vor  uns  eine  jener  Übertragungen
von  Methoden  der  führenden  Disziplin,  in  unserem  Fall  der
nationalökonomischen  Preisgeschichte,  auf  eine  junge  und  noch
nicht  zur  Selbständigkeit  gelangte  Grenzdisziplin.  Die  Preisgeschichte ­
  ist  ausgegangen,  pointiert  gesagt,  von  Börseninteressen.
Die  Preisschwankungen  der  Gegenwart  forderten  auf  zu  einer
Untersuchung  ihrer  Gründe,  und  so  kam  man,  die  Methode  nur
so  weit  wie  absolut  nötig  modifizierend,  allmählich  zurück  zunächst
zu  der  klassischen  Zeit  der  ersten  großen  Preisschwankungen,
dem  16.  Jahrhundert.  Während  nun  jene  Differenzen  nicht  schwer
wogen,  solange  man  nur  mit  kleineren  Zeiträumen  der  Gegenwart
und  einzelnen  zentralen  Plätzen  des  Welthandels,  wie  London  und
Hamburg,  zu  tun  hatte,  wurden  sie  doch  mehr  und  mehr  hoffnungslos ­
  verwirrend,  als  es  sich  beim  Zurückgehen  um  eine
Menge  verschiedenartigster  Märkte  und  um  eine  Überschau  über
Jahrhunderte  handelte.
2.  Die  praktischen  Bedenken.
Vor  allem  aber  auch  kam  die  große  praktische  Schwierigkeit ­
  der  Metallreduktion  für  die  Gegenwart  gar  nicht  in
Betracht.  Man  hatte  die  Reduktion  einfach  in  den  Kursen,  soweit ­
  man  überhaupt  verschiedene  Münzsorten  zusammenstellte.  Je
weiter  man  aber  dann  zurückging,  um  so  mehr  differenzierten  sich
und  wechselten  die  Münzen,  um  so  unmöglicher  wurde  es,  wenigstens ­
  für  einzelne  Zeiträume  eine  Münze  gleichbleibenden  Gehalts ­
  und  allgemeinerer  Bedeutung  zu  finden,  auf  die  man,  ohne
allzuviel  von  Exaktheit  aufzugeben,  die  übrigen  nach  dem  so  viel
leichter  zu  erhebenden  Kursverhältnis  reduzieren  könnte  *).  Immer
mehr  fand  man  sich  auf  rein  numismatische  Metallreduktion  zurückgeworfen. ­
  Was  nützt  uns  aber  dieser  Nenner,  wenn  er  geradezu  in  der
1)  Über  die  neuerdings  von  K.  H.  Schäfer  gegebene  dankenswerte
Zusammenstellung  dieser  Art  für  das  13.  und  14.  Jahrhundert  werde  ich  demnächst ­
  in  der  Vjschr.  f.  Soz.-  u.  Wirtschaftsgesch.  berichten.  Hier  nur  so  viel,  daß
die  Reduktion  nach  Kursen  prinzipiell  nichts  anderes  ist  als  die  nach  dem  Metallgehalt, ­
  denn  der  Metallgehalt  bestimmte  die  Kurse  (vgl.  unten  S.  51).
            
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