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Andreas Walther
Bleiben wir zunächst im Rahmen dieser Argumentationen,
deren Wahrheitsmoment offenbar nicht gering ist, so muß doch
gefragt werden: Warum macht man all diese Umwege über
das Edelmetallgewicht? Warum sagt man nicht einfach: Ein
Normalbudget betrug damals 100 Gulden, beträgt heute 3000 M.,
also müssen wir mit einem Gulden dieselbe Anschauung verbinden
wie heute mit 30 M., d. h., wenn nach der Kaufkraft (der
sozialen Kraft) des Geldes gefragt wird, ist: 1 Gulden = 30 M. ?
Der Metallgehalt der Münzen damals und jetzt interessiert uns
ja gar nicht. Wir bringen ihn mit höchst schwierigen und anfechtbaren
Manipulationen (siehe unten) hinein, um ihn möglichst
bald wieder zu eliminieren!
Oder, wenn der Hinweis auf ein ausgezeichnet korrespondierendes
Bild erlaubt ist: Wer jene Frage stellt: „Wie viel ist
das nach unserem Geld?“, dem schwebt die Analogie einer
fremden Sprache vor. Er hat ein ihm unverständliches Wort
gefunden und will nun die Übersetzung in seine Sprache. Warum
übersetzen wir nun aber nicht direkt von der Sprache, deren
Lettern in Gulden gesetzt sind, in die uns geläufige, deren
Lettern in Mark stehen? Anstatt dessen übersetzen wir erst alle
beide in eine dritte Sprache, um zu merken, dass wir in Wirklichkeit
in zwei verschiedene übersetzt haben, worauf wir nach
einem Wörterbuch suchen, um die beiden letzten zu vergleichen,
während wir mit diesem Wörterbuch, auf das es offenbar
allein ankommt, ebensogut schon direkt hätten übersetzen
können.
Sollte sich nun nicht eine Methode ausbilden lassen, die erlauben
würde, all die zahllosen, nach Ort und Zeit wechselnden
Münzeinheiten, mit denen der Historiker zu tun hat, auf einem
solchen direkten Wege ineinander zu übersetzen? —
Man könnte erwidern, der Hinweis auf die Frage, wie die Bedeutung
einer einzelnen Geldangabe in unsere Anschauung projiziert
wmrden könne, sei nicht entscheidend, vielmehr komme es auf
die Brauchbarkeit des Systems im ganzen an. Die Möglichkeit,
jede nur erdenkliche Fülle von verschiedenartigen Geldangaben
auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, sei doch immer der
überwiegende Vorteil. Aber was im einzelnen gilt, muß bei