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Andreas Walther
Wissenschaften ist, obwohl sie dem, der sich nicht in sie eingelebt
hat, so tot bleibt, wie die Buchstaben des schönsten Literaturwerkes
dem, der nicht lesen kann, so hofft diese Untersuchungeben
jene noch sehr daniederliegende Kunst fördern zu können,
Geldangaben aus früheren Jahrhunderten schnell und sicher lesen
zu lernen.
I. Die Methode der Reduktion auf den Metallgehalt 1 ).
1. Die theoretischen Bedenken.
Die populäre historische Methode der Ermittlung des Geldwertes
kann ich etwa an einem Erlebnis veranschaulichen. Auf
einem Archiv war ich Zeuge, wie mein Nachbar einen großen
Fund machte. Mit einer Biographie beschäftigt, entdeckte er
eine Urkunde, die genaue Angaben über Vermögen und Einkommen
seines Helden enthielt. Er hatte das weitere Glück,
daß am Nebentisch ein Numismatiker arbeitete. Erfreut ging er
hinüber und legte ihm kurzerhand die Frage vor: „Wie viel ist
das nach unserem Geld?“ Man teilte ihm mit, dass der betreffende
Gulden damals ein Feingewicht von 2,527 Gramm Gold gehabt
habe; unsere heutige Mark entspreche einem Gewichtsquantum
von 0,358 Gramm Gold. Danach sei also jener Gulden annähernd
gleich 7 Mk. unseres Geldes gewesen. Als der Fragende befriedigt
wieder an seine Arbeit gehen wollte, wurde er noch
einmal zurückgerufen und belehrt, dies gelte natürlich nur für
den Edelmetallgehalt der Münzen; eine zweite Frage sei die nach
der Kaufkraft des Geldes, über die sieb etwas Bestimmtes nicht
sagen ließe 2 ). Erst auf inständige Bitten des sehr enttäuschten
1) Literaturverzeichnisse im Hwb. d. Stw. zu den Worten Edelmetalle,
Münzwesen usw.; bei Luschin a. a. 0; bei Soetbeer, Literaturnachweis über
Geld- und Münzwesen, insbesondere über den Wäbrungsstreit 1871—1891, mit
geschichtlichen und statistischen Erläuterungen, Berlin 1892, 322 S.; bei
W. A. Shaw, The History of Currency 1252 to 1894, being an account of
the gold and silver monies and monetary Standards of Europe and America,
London (1894); und sonst.
2) Sehr scharf neuerdings Harms S. 245: „Man höre endlich auf, von
einer zwei-, drei-, vier- und fünffachen Kaufkraft in dieser oder jener Zeit
zu reden. Derartige Verallgemeinerungen wirken angesichts jeder haltbaren
Unterlage geradezu lächerlich.“