Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Berggrün

50

Bernsteinlack

noch  selten  in  den  Handel,  weil  man  dem  künstlich ­
  dargestellten,  dem  Bremerblau,  den  Vorzug ­
  gibt.
Berggrün  (Ungarischgrün,  Tirolergrün,
Schiefergrün),  eine  lebhaft  grüne  Maler-  und
Anstrichfarbe  aus  gemahlenem  und  geschlämmten ­
  Malachit,  wird  nur  noch  selten  benutzt,  da
man  künstliche  Farben  von  ähnlicher  Zusammensetzung ­
  vorzieht.  (Vgl.  Braunschweigergrün.)  In
Tirol  sortiert  man  die  Ware  in  Malachitgrün,
Ölgrün  und  Grundfarbe.  Das  B.  gehört  zu
den  kupferhaltigen,  daher  giftigen  Farben.
Bergkristall  (frz.  Cristal  de  röche,  engl.  Rockcrystal).
  Mit  diesem  Namen  pflegt  man  die
reinste,  in  durchsichtigen  Kristallen  des  hexagonalen ­
  Systems  vorkommende  Kieselsäure  zu
belegen.  Sind  die  Kristalle  undurchsichtig,  so
nennt  man  sie  Quarz,  sind  sie  durch  geringe
Beimengungen  anderer  Stoffe  gefärbt,  so  gibt
man  ihnen  besondere  Namen.  So  heißen  die
blauen  und  violetten  Abarten  Amethyst,  die
braunen  Rauchquarz  oder  irrtümlicherweise
Rauchtopas,  die  gelben  Zitrin  und  die  schwarzen ­
  Morion.  Hauptfundorte  schöner  B.  sind  die
schweizerischen  undTiroler  Alpen,  Ungarn,  Zeylon,
Madagaskar,  Brasilien  und  Japan.  Man  schleift
den  B.  zu  mancherlei  Schmuckgegenständen
und  hat  neuerdings  auch  Gewichtssätze  für  feine
mechanische  Wagen  daraus  gefertigt,  wozu  er
sich  wegen'  seiner  Härte  (7  Grade)  und  Unveränderlichkeit ­
  an  der  Luft  vortrefflich  eignet.
Bergpetersilie  (Grundheil,  Hirschwurzelkraut, ­
  lat.  Herba  oreoselini,  frz.  Herbe  de  persil
  de  montagne,  Athamante,  engl.  Athamanta),
das  getrocknete  Kraut  von  Athamanta  Oreosolinum,
  einer  Umbellifere,  wird  in  <Jer  Tierheilkunde ­
  verwandt.
Berlinerblau  (Preußischblau,  Paris  er  blau)
ist  eine  geschätzte  blaue  Farbe,  welche  durch
Fällung  von  Eisenvitriollösung  mit  gelbem  Blutlaugensalz ­
  und  nachherige  Behandlung  des  abfiitrierten,
  hellfarbigen  Niederschlages  mit  Chlorkalk ­
  oder  chlorsaurem  Kalium  gewonnen  wird.
Die  aus  reinem  Ferroferrizyanid  bestehende  Sorte
bezeichnet  man  meist  als  Parisefblau,  während
der  Name  B.  meist  für  Gemische  des  letzteren
mit  Ton,  Gips  oder  Schwerspat  benutzt  wird.
Berlinergrün,  eine  Anstrichfarbe,  wird  als
grünes,  in  Wasser  unlösliches  Pulver  aus  der
Mutterlauge  bei  der  Blutlaugensalzfabrikation  erhalten. ­
  Zuweilen  wird  auch  ein  Gemenge  von
Berlinerblau  mit  Gelb  unter  demselben  Namen
verkauft.
Berlinerrot.  Diesen  Namen  führt  einesteils
der  geglühte  oder  gebrannte  Ocker,  andernteils
eine  geringere  Sorte  von  Florentinerlack  (Rotholzlackfarbe). ­

Bernstein  (Börnstein,  Brennstein,  Agtstein, ­
  Achtstein,  Succinit,  lat.  Succinum-,  Electrum,
  frz.  Succin,  engl.  Amber),  ein  fossiles  Plarz
vorhistorischer  Wälder,  mit  Insekteneinschlüssen, ­
  kommt  besonders  an  der  Seeküste  von  Ostund
  Westpreußen,  namentlich  im  Samland  nördlich ­
  von  Königsberg,  vor,  wo  eine  regelmäßige
Gewinnung  durch  Tauchen  und  Baggern  in  der
Nähe  des  Strandes  oder  durch  Graben  oder  bergmännischen ­
  Betrieb  auf  dem  Lande  (Bergwerk
Palmnicken),  stattfindet.  In  geringeren  Mengen

zeigt  sich  B.  an  den  Küsten  von  Livland,  Kurland, ­
  Mecklenburg,  Holstein  und  Dänemark  sowie ­
  in  Schlesien,  Galizien,  Rumänien,  Sizilien,
Spanien,  Grönland,  Kamtschatka,  Ober-Birma  und
China.  —  Der  B.  zeigt  in  seiner  äußeren  Erscheinung ­
  außerordentliche  Unterschiede.  Neben
durchsichtigen  finden  sich  trübe  und  undurchsichtige, ­
  neben  weißlichgelben  hellgelbe  bis  dunkelgelbe ­
  und  braune  Stücke.  Der  Glanz  ist  glasartig, ­
  die  Größe  und  Gestalt  der  Stücke  sein
wechselnd.  Er  wird  daher  für  den  Handel  nach
Größe,  Farbe  und  Schönheit  in  sehr  viele  Sorten
geteilt.  Der  deutsche  B.,  der  hauptsächlich  den
Markt  beherrscht,  gelangt  teils  verarbeitet,  teils
roh  in  den  Handel.  Der  Haupthandelsplatz  war
seit  langen  Zeiten  Danzig,  wo  auch  viel  verarbeitet ­
  wird,  während  jetzt  Königsberg,  nächstdem
  Memel  und  Stolp,  an  die  Spitze  getreten
sind.  Große  Mengen  gehen  nach  Wien,  Konstantinopel ­
  und  Paris,  wo  sehr  schöne  Schmucksachen ­
  daraus  gefertigt  werden.  Die  Verarbeitung
erfolgt  mittels  Schnitzen  und  Raspeln  sowie  auch,
mit  der  Drehbank.  Man  fertigt  aus  dem  B.  Pfeifen- ­
  und  Zigarrenspitzen,  Broschen  und  verschiedene ­
  andere  Schmuck-  und  Kunstsachen,  wie
Bernsteinperlen  und  Bernsteinkorallen
(Bastardkorallen).  Die  kleinen  Stückchen  und
Abfälle  werden  zur  Bereitung  von  Bernsteinlack
und  Bernsteinsäure  sowie  auch  zum  Räuchern
verwandt.  Auch  benutzt  man  die  Abfälle  zur
Nachahmung  echter  Bernsteinwaren,  indem  man
sie  mit  heißem  Schwefelkohlenstoff  in  eine  plastische ­
  Masse  (Ambroid)  verwandelt  und  dann
in  Formen  preßt.  Man  erkennt  sie  mittels  des
Mikroskops  an  dem  Fehlen  der  zahlreichen  kleinen ­
  Luftbläschen,  die  der  echte  B.  zeigt.  Nicht
selten  werden  auch  Nachahmungen  aus  einem
Gemische  von  Kopal,  Terpentin  und  Kampfer
gefertigt,  die  sich  durch  ihre  leichte  Löslichkeit
in  Äther  und  ihre  leichtere  Schmelzbarkeit  vom
echten  B.  unterscheiden  lassen.'  Echter  B.  hat
ein  spez.  Gew.  von  1,050—1,096,  eine  Klärte  von
2,0—2,5  und  einen  Schmelzpunkt  von  250—300 0 .
Er  ist  in  den  meisten  Lösungsmitteln  mit  Ausnahme ­
  des  Terpentinöls  nahezu  unlöslich  und
kann  mit  Hilfe  dieser  Eigenschaften  von  allen
Fälschungen  unterschieden  werden.  Nachahmungen ­
  aus  Glas  erkennt  man  auch  an  der  Unverbrennlichkeit. ­
  Schwarzer  B.  ist  Gagat.
Bernsteinlack  (Bernsteinfirnis,  frz.  Vernis
au  succin,  Laque  de  l’ambre  jaune,  engl.  Varnish
of  amber,  eine  zum  Anstrich  auf  Holz,  Blech
und  Leder  dienende  Flüssigkeit,  besteht  aus  einer
Auflösung  von  Bernstein  in  Terpentinöl  und  Leinölfirnis. ­
  Zu  ihrer  Darstellung  wird  der  Bernstein
vorher  vorsichtig  geschmolzen,  worauf  er  sich
schon  bei  einer  Temperatur  von  ioo ü  auflöst.
Solcher  geschmolzener  Bernstein  kommt  in
sieben  verschiedenen  Sorten  in  den  Handel,  die
sich  nur  durch  größere  oder  geringere  Flelligkeit
unterscheiden.  Eine  geringwertige,  sehr  dunkle
Sorte  wird  aus  dem  sogenannten  Bernsteinkolophonium', ­
  einem  zur  Gewinnung  von  Bernsteinsäure
  und  Bernsteinöl  sehr  stark  erhitzten
Bernstein,  erhalten.  Die  mit  B.  hergestellten  Anstriche ­
  sind  sehr  dauerhaft,  luft-  und  wetterbeständig ­
  und  besitzen  schönen  Glanz  und  große
Härte.  Sehr  häufig  werden  harte  Kopalsorten  zu
sogenannten  Bernsteinlacken  mitverarbeitet,  da
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.