Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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des  oktroyierten  Pariser  Zuges  seinen  Charakter  als  solche  nicht  abstreifen. ­
  Neben  Bordeaux  tagten  zu  gleicher  Zeit  die  Börsen  von  Lyon
und  Marseille.  Alle  3  Börsen  waren  jedoch  kein  geeigneter  Boden  für
Transaktionen  in  Renten  oder  gar  in  Favorit  werten.  Auch  stellten  sich
durch  die  Dreiteilung  Mißstände  heraus.  Es  kam  oftmals  vor,  daß  die  drei
Börsen  an  einem  Tage  in  der  Bewertung  eines  Papieres  mitunter  erhebliche
Kursdifferenzen  aufwiesen,  was  nun  nicht  im  Interesse  der  Öffentlichkeit
lag  und  bei  dem  Vorherrschen  einer  ausschlaggebenden  Börse  selten
oder  nicht  in  allzuhohen  Kursdifferenzen  vorkommt.  Immer  mehr
erkannte  man  die  Notwendigkeit  einer  zentralen  Stelle,  die  als  entscheidender ­
  Regulator  zu  wirken  imstande  war.  Im  Einverständnis
mit  der  Regierung  wurde  daher  nach  langen  Kämpfen  und  vielen  Widerständen ­
  die  Börse  schließlich  in  Paris  am  7.  Dezember  1914  wieder  eröffnet. ­

Gerade  in  der  Wiedereröffnung  der  Pariser  Börse  in  Paris  kann
man  neben  den  dargelegten  Motiven  auch  noch  ein  psychologisches
Moment  sehen.  Sie  dürfte  neben  der  wirtschaftlichen  Notwendigkeit
und  Zweckmäßigkeit  das  Ziel  verfolgen,  das  Publikum  langsam  an  die
unvermeidlichen  Kursverluste  zu  gewöhnen.  Das  Studium  des  Kurszettels ­
  ist  in  Frankreich  die  tägliche  Beschäftigung  der  Kapitalisten
und  kleinen  Sparer.  Sie  greifen  zuerst  nach  dem  Kurszettel  und  dann
zur  Arbeit.  Die  Regierung  trägt  dem  auch  Rechnung  und  läßt  die
Rentenkurse  sogar  an  das  Gemeindehaus  der  kleinsten  Örte  regelmäßig
anschlagen.  Es  ist  daher  wohl  verständlich,  daß  die  Kurse  —  gleichgültig ­
  ob  effektiv  oder  nominell  —  auf  alle  Kreise  einen  großen  Einfluß
ausüben  dürften.  Sie  sind  das  Spiegelbild  der  öffentlichen  Meinungen
und  Stimmungen  über  Krieg  und  Wirtschaft.
Als  die  Pariser  Börse  in  den  letzten  Tagen  des  Monats  Juli  1914  die
geschilderten  Krisen  zu  ertragen  hatte,  Kopflosigkeit  und  Furcht  das  Kursniveau ­
  so  erheblich  stürzen  ließen,  wurde  es  klar,  daß  mit  geplantem  Börsenschluß ­
  und  so  tiefen  Kursen  die  Li  quidation  der  auf  Ultimo  Juli
1914  laufenden  Engagements  unmöglich  war.  Wollte  man
sie  dennoch  durchführen,  dann  hätte  dies  gewiß  zum  Ruin  der  beteiligten
Makler  geführt.  Denn  die  Auflösung  von  500  Miß.  Frcs.,  die  als  Reportgelder ­
  fest  in  den  einzelnen  Effekten-Positionen  verankert  sind  und
durch  neue  Kapitalien  abgelöst  werden  müßten,  war  nicht  ohne  Hilfe
der  Bank  von  Frankreich  oder  der  anderen  Kreditinstitute  möglich.
Aber  die  Notenbank  stand  vor  den  elementaren  Ereignissen  einer  gewaltigen ­
  Kreditforderung  seitens  des  Staates,  einer  stürmischen  Kreditforderung ­
  von  seiten  der  Volkswirtschaft.  Sie  konnte  eine  halbe  Milliarde ­
  Franken  nicht  immobilisieren.  Und  die  Kreditbanken  lagen  selbst
in  den  ärgsten  Nöten.  Andererseits  stellt  es  eine  Unmöglichkeit  dar,
aus  privaten  kapitalkräftigen  Kreisen  diese  hohen  Summen  zu  erlangen.
Und  vor  allem  entsteht  die  recht  brennende  Frage,  welchen  Zins  die
Käufer  am  Ultimo  Juli  1914,  also  in  einer  Zeit,  wo  die  politische
Spannung  und  Krisis  zum  Kriege  führte  und  alles  mit  seinen  Geldreserven
            
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