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Erwin Respondek,
schädigt aber weit mehr das verbündete und befreundete Ausland, als
Deutschland oder Österreich-Ungarn. Das Verbot des Verkaufs von
Effekten für Rechnung des Auslandes charakterisiert am besten die
„Neue Zürcher Zeitung“, wenn sie ausführt:
„Gerade die Schweiz wird hierdurch empfindlich geschädigt, da
in deren großen Bankinstituten sich wegen der Unsicherheit in Frank
reich große französische Wertpapierdepots angehäuft haben. Die Ver
mittlungstätigkeit der Banken wird mit einem Schlage lahmgelegt“ 1 ).
IV. Die Kreditinstitute.
Im französischen Bankwesen sind 5 Gruppen scharf zu unterscheiden.
Nach den Grundzügen, wie sie Kaufmann 2 ) entwickelt, sind dies:
1. Die Notenbank,
2. Depositen- und Kreditbanken,
3. die Credit-Mobilier-Banken,
4. der Credit-Foncier de France,
5. Privatbankiers, Übersee- und Auslandsbanken.
(Diese letzteren werden wegen mangelnder Unterlagen im Rahmen
dieser Arbeit nicht betrachtet.)
Das Notenbankwesen Frankreichs hat seinen typischen Vertreter
in der Bank von Frankreich, die einer eingehenden Betrachtung be
reits unterzogen wurde.
Der französische Immobiliarkredit fand im Laufe der Jahrzehnte
und erst sehr spät eine einheitliche und gut organisierte Zusammen
fassung in einem großen Zentralinstitut: dem Credit-Foncier
de France. Das von ihm errungene Monopol konnte der Credit-
Foncier entgegen allen Angriffen der anderen Hypothekeninstitute
behaupten. Seine innere Geschäfts-Organisation ist vortrefflich, und sein
halbamtlicher Charakter hat ihm nach außen hin die für ein Hypotheken
institut notwendige Festigkeit verliehen und so gelten seine Obligationen,
die in 20 facher Höhe des Aktien-Kapitals ausgegeben werden dürfen, in
den Kreisen der Rentner mit als eine der besten Kapitalsanlagen. Nach
seinen eigenen Statuten darf der Credit-Foncier Hypothekendarlehen
nur gegen erste Hypotheken gewähren. Die Geschäftspraxis brachte
es mit sich, daß seine Beleihungen sich vornehmlich auf städtische Grund
stücke erstrecken. Daneben befaßt sich die Hypothekenbank auch mit
der Emission von Anleihen, Beleihung und Verwahrung von Wertpapieren,
Ausführung von Börsenaufträgen und der Annahme von Depositen.
Der Krieg hat auf das Hypothekar-Institut bisher einen geringen
Einfluß ausgeübt. Es war ihm nach den Angaben in seinen Geschäfts
berichten möglich, seine Zahlungsverpflichtungen voll aufrecht zu
erhalten, und wie die Bank in ihrem Geschäftsbericht für 1914 ausführt,
stockten die Auszahlung der Depots, der Zinsen, fälliger Obligationen
1 ) Neue Zürcher Zeitung, Januar 1915.
2 ) Dargestellt nach Kaufmann, Dr. E., Das französische Bankwesen. Tübin
gen 1911.