Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

es  sei  nochmals  betont,  daß  diese  kleine  Lebhaftigkeit  durchgehends
nicht  neu  eingegangenen  Geschäften,  sondern  der  Abwicklung  alter
Engagements  entspringt.
Über  die  Lage  des  Immobiliarmarktes  vermögen  einige  Angaben
des  Credit-Foncier  über  die  jährlichen  Tilgungs-  und  Zinseingänge  bessere
Anhaltspunkte  zu  geben,  als  längere  rein  theoretisch  geführte  Überlegungen. ­
  Für  das  Jahr  1915  waren  insgesamt  150,6  Mill.  Frcs.  Amortisationen ­
  zu  erwarten.  Außerdem  stammt  aus  dem  vorangegangenen
Geschäftsjahre  ein  Rückstand  von  55,8  Mill.  Frcs.,  so  daß  also  206,4
Mill.  Frcs.  fällige  Verpflichtungen  der  Hypothekenschuldner  zur  Abdeckung ­
  fällig  waren.  Tatsächlich  aber  gingen  nur  88  Mill.  Frcs.  ein,  und
118,4  Mill.  Frcs.  mußten  in  das  neue  Jahr  hinübergenommen  werden.
Im  Laufe  des  Jahres  1916  wird  von  dieser  Summe  nach  Kräften  abgebaut, ­
  denn  schon  am  29.  Februar  standen  nur  noch  111,9  Mill.  Frcs.  aus.
Der  Tilgungsdienst  aus  den  Kommunaldarlehen  ging  verhältnismäßig ­
  glatt  vonstatten,  da  die  Departements,  Kommunen  und  anderen
öffentlichen  Körperschaften  aus  ihren  Einnahmen  die  erforderlichen
Summen  bereitstellen  können.  Hier  spielten  sich  die  in  Zahlen  ausgedrückte ­
  Verpflichtung  und  Leistung  wie  folgt  ab:

Restzahlung  vom  31.  Dezember  1914  ....  8,4  Mill.  Frcs.
Neuzahlung  im  Jahre  1915  r5o.3  „  „
Gesamtsumme  158,7  „  „
Leistung  ■  139,7  „  „
Restzahlung  am  31.  Dezember  19x5  19,0  „  „
„  „  29.  Februar  1916  16,9  „  „

Zieht  man  die  hier  weit  wichtigeren  Ziffern  aus  dem  Hypothekardarlehen ­
  schärfer  in  Betracht,  so  zeigen  sie  als  Resultat  das  Bild,  daß
von  2857  Mill.  Frcs.  ausgeliehenen  Hypotheken-Darlehen  während  einer
jährigen  Dauer  des  Krieges  allein  gegen  118  Mill.  Frcs.  Amortisationsrückstände ­
  zu  verbuchen  waren,  während  das  Soll  206  Mill.  Frcs.  betrug,
also  nur  88  Mill.  Frcs.  geleistet  wurden,  d.  h.  42,7  %  der  Gesamtsumme. ­
  Dieser  Ausfall  ist  keineswegs  beängstigend  hoch,  er  könnte  vielleicht ­
  als  durchaus  günstig  bezeichnet  werden,  sobald  die  Wirkungen
des  Moratoriums  in  die  Rechnung  hineinbezogen  werden.  Es  darf
bei  der  Kritik  dieser  Zahlen  auch  nicht  außer  acht  gelassen  werden,
daß  viele  ungünstige  Faktoren  noch  neben  jenem  drückendsten  aller  Übel
auf  die  Eingänge  der  Zahlungen  verzögernd  einwirken.  Ein  Teil  der
Schuldner  steht  unter  den  Waffen,  kann  durch  Verraögensverluste  anderer
Art  geschwächt  sein,  ein  Teil  hat  Haus  und  Hof  im  okkupierten  Gebiete,
in  Händen  des  Feindes,  und  wieder  ein  anderer  verbirgt  sich  zu  Unrecht,
aber  gesetzlich  unfaßbar,  hinter  den  schützenden  Bestimmungen  des
Moratoriums.  In  Deutschland  haben  die  Darlehensnehmer  der  Hypotheken-Aktienbanken
  nicht  im  entferntesten  mit  ähnlich  großen  Beschränkungen ­
  oder  direkten  kriegerischen  Einwirkungen  zu  kämpfen,  und
trotzdem  betrugen  die  Zinsrückstände  bei  den  führenden  35  Banken
            
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