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Erwin Respondek,
papieren zu. Die 3 % Rente stieg durch die stete Nachfrage rasch im
Kurse. Sie kotierte:
Im Jahre 1877 70,57%
„ ,, 1878 74,6i%
und bereits 1893 105,25 %
verzeichnete also in 20 Jahren eine für ein Rentenpapier bedeutsame
Steigerung von rund 35 %.
Mit diesem scharfen Kursaufstieg war andererseits ein Sinken
der Zinsrentabilität verbunden, und der Rentner war bald wieder mit
dieser geringen Verzinsung nicht zufrieden. Er wollte ein noch besseres
Erträgnis seiner Gelder erzielen. Nun setzten hier Finanz und Politik
zur gemeinsamen Arbeit ein, um den Kapitalisten ihre Wünsche zu er
füllen, wobei sie gleichzeitig auch ihre eigenen finanz- und machtpoli-
tischen Ziele einflechten zu können glaubten. Mit der politischen Freund
schaft Rußlands zu Frankreich, die im Jahre 1891 zum Bündnis führte,
der Aufnahme politischer Interessen Frankreichs in den Balkanländern
und anderen Staaten, setzte die Zeit der schier endlosen Einführung
großer Anleihen jener Länder für die französische Republik ein. Nicht
allein die Mehrzahl der europäischen Staaten war ständiger Geldsucher
am Pariser Kapitalmärkte. Auch die exotischen Staaten appellierten
an die Kapitalkraft Frankreichs und fanden dort stets williges Gehör.
Nur auf zwei Faktoren wurde von den französischen Führern bei
dieser Arbeit streng geachtet — hohe Verzinsung und dann politische
Freundschaft. Der Rentner zeichnete gern 5 % Russen, Balkanier, 6 %
Mexikaner. Die Regierung flocht geschickt ihre Ziele hinein, jenes Ver
langen der zur Herrschaft gelangten politischen Kreise, in fremden Staaten
wenigstens durch französisches Gold Einfluß zu erlangen. Das National
gefühl der Franzosen, ihre stark ausgeprägte Leidenschaft nach Ehre,
Ruhm und Ansehen unterstützten den Staat in seiner eingeschlagenen
politischen Richtung. Sie zielte auf Vergeltung für die Niederlagen
in dem 70er Kriege. Was nicht offen ausgesprochen wurde, ließ die „immer
mehr einseitige Orientierung der Kapitals-Anlage nach rein politischen
Gesichtspunkten“ 1 ) wohl erkennen.
Bald bildeten sich bei diesen Transaktionen bei den Banques d’affaires
als Schöpfer der Auslands-Emissionen und den Depositenbanken als
ihre Mithelfer und unentbehrlichen Absetzer, in Verbindung mit der
Regierung und der nicht ausschaltbaren Presse — einzelne Finanzgruppen
mieten für ihre Transaktionen oft den ganzen Handelsteil der führenden
Tageszeitungen — ein ganz charakteristischer Weg aus. Jedes Land,
das in Paris eine Anleihe unter bringen wollte, mußte zunächst im Mini
sterium des Äußeren vorsprechen, um die Zustimmung zur offiziellen
Kotierung an der Pariser Börse zu erhalten. Diese Genehmigung wurde
vom Leiter des auswärtigen Amtes nur unter zwei Bedingungen erteilt:
9 Siehe Kaufmann, Dr. E. 2. Kriegsheft für Sozialwissenschaft und Sozial
politik 1915, S. 433.