13»
Erwin Respondek,
Anwachsen und Sinken der Kreditoren kann auch auf andere Ursachen
zurückgeführt werden. So z. B. Errichtung von neuen Konten der
durch Kriegslieferungen am Güterkreislauf stärker Beteiligten oder neu
Eingetretenen, Rückkehr des Vertrauens und damit Wiederaufnahme
der Geschäftsbeziehungen u. ä. m., andererseits Auflösung der Konto-
Korrent-Verbindung wegen mangelnden Vertrauens zur Bank oder
Schließung des Geschäfts usw. Mit Bestimmtheit lassen sich daher
die einzelnen Verschiebungen innerhalb dieser beiden Posten aus
den bloßen Zahlen nicht herauslesen. Die Kreditbanken selbst
schweigen in ihren Jahresberichten sehr geflissentlich. Die gleichen
Schwankungen nach unten und oben wie die Kreditoren zeigen
auch die fremden Gelder, die für die geschäftliche Struktur der Banken
im Kriege von ebenso hohem, vielleicht noch größerem Einflüsse sind
als im Frieden. Es war klar, daß nach den ersten sturmvollen Tagen,
die eine starke Senkung der Depositeneinlagen mit sich brachten, nicht so
fort eine ebenso stürmische Bewegung in entgegengesetzter Richtung
eintreten würde. Eine Reihe von Banken, so wiederum die Societe
Generale, haben sich von ihren Verlusten an Depositen-Geldern nicht
wieder erholen können. Für die Societe Generale waren die Bestände
am Jahresende 1913: 673,00 Mill. Frcs., 1914; 457,00 Mill. Frcs., 1915:
417,00 Mill. Frcs.
Andere dagegen können mit relativ höheren Ziffern auf warten.
Das Comptoir National hat hier während des Jahres 1915 und auch
seit Anfang 1916 eine stete Zunahme zu verzeichnen. Am 31. Dezember
1912 waren die fremden Gelder bei ihm 645,00 Mill. Frcs., am 31. Dezem
ber 1913: 695,00 Mill. Frcs., am 31. Dezember 1914: 482,00 Mill. Frcs.,
am 31. Dezember 1915: 574,00 Mill. Frcs., am 31. März 1916 schon
644,00 Mill. Frcs.
Eine ähnliche Steigerung können auch einige andere Depositen
banken aufweisen. Diese einseitige Bevorzugung bestimmter weniger
Banken hat ihre Ursache ausschließlich im Vertrauensmoment, das von
den Sparern und kleinen Kapitalisten zur Zahlungsfähigkeit und zum Zah
lungswillen der Banken in Abhängigkeit gebracht wird. Die Depositen-
Gläubiger werden auch in der Befristung ihrer Einlagen den Grad ihrer
Vertrauensseligkeit in Gestalt gestaffelter Rückzahlungsquoten zum
Ausdruck bringen. Obwohl die französischen Kreditbanken ihre Depositen
gelder nicht nach dem z. B. in Deutschland üblichen Bilanzschema
gliedern: Kreditoren (provisionsfrei) innerhalb 7 Tagen fällig, darüber
bis 3 Monate fällig, nach 3 Monaten fällig, vielmehr nur: Scheckkonto
und Depots mit festem Verfall, so ist doch schon aus dieser Zweiteilung er
sichtlich, wie erheblich sich die Lage der kurzfristigen Gelder auf Rech
nung der für längere Perioden gebundenen Gelder verschoben hat. Es
lassen sich hieraus Schlüsse auf den Charakter der fremden Gelder ziehen.
Sie sollen einesteils als sofort greifbare Reserven dienen, sobald irgend
welche Krisen sich bemerkbar machen würden, andererseits für eine
bewegliche Kapitalsanlage stets bereit liegen, d. h. frei verfügbar sein,