Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft,

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Frankreich  von  der  gewaltigsten  aller  Erschütterungen  verschont  bleiben
können  oder  zum  mindesten,  falls  der  große  europäische  Krieg  unvermeidlich ­
  war,  mit  einem  sicheren  und  kräftigeren  Rüstzeug  in  den
Kampf  zu  treten  vermocht.
Es  bleibt  für  die  Zukunft  das  neue  Ziel:  Die  noch  vorhandenen
Energien  nach  wirtschaftlichen  Gesetzen  zur  guten  und  fortschreitenden
Entwicklung  zu  erwecken,  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  und
Widerstandsfähigkeit  zu  heben  und  die  hierbei  errungenen  materiellen
Gewinne  für  die  vielen  noch  zu  lösenden  kulturellen  und  sozialen  Aufgaben ­
  zu  verwenden.  Eine  klare  und  bestimmt  gewollte  Erkenntnis
wird  die  Leiter  des  französischen  Kapitals,  die  Leiter  des  französischen
Wirtschaftsgetriebes  und  die  Regierung  auf  diese  neue,  gesunde
Bahn  bringen  müssen,  eine  Bahn,  die  ihnen  auch  der  Franzose  Camb
  o  n  in  scharfen  Strichen  vorgezeichnet  hat:
„Wir  wollen  unseren  Finanzleuten  nahelegen,  daß  sie  etwas  weniger,
und  unseren  Industriellen,  daß  sie  etwas  mehr  über  unsere  Grenzen
hinausschauen.  Besonders  müssen  wir  sie  davon  überzeugen,  daß  die
Schuldner,  welche  nur  imstande  sind,  eine  schwache  Sicherheit  zu  bieten,
als  kreditunwürdig  angesehen  werden  müssen.  Ein  intelligenter  Mann,
der  arbeitet  und  gebildet  ist,  stellt  ebenfalls  einen  „Bankwert“  dar.
Die  Aufgabe  der  Kapitalisten  muß  darin  bestehen,  zu  unterscheiden,
wer  des  Kredites  würdig  ist  und  derartigen  Leuten  ist  ihre  Hilfe  zu
gewähren.  Bereiten  wir  uns  dazu  vor,  unsere  Produkte ­
  auszuführen,  anstatt  daß  wir  weiterhin
unser  Kapital  an  das  Ausland  abgeben.“ 1 )

V.  Staatsfmanzen.

Um  zur  Beurteilung  der  staatsfinanziellen  Operationen,  wie  sie  die
französische  Republik  während  dieses  Krieges  verfolgt,  zu  gelangen,
ist  zunächst  eine  kurze  Darstellung  der  finanziellen  Entwicklung  vor
Ausbruch  des  Krieges  zu  geben.
Charakteristisch  für  den  französischen  Staatshaushalt  war  der  stete
Kampf  mit  finanziellen  Sorgen.  Die  Staatskassen  wiesen  selten  nennenswerte ­
  Bestände  auf  und  konnten  daher  aus  eigener  Kraft  das  Gleichgewicht ­
  in  den  Friedensbudgets  nicht  hersteilen.  Die  Staatsschuld  stieg  so
von  Jahr  zu  Jahr  und  erreichte  am  1.  Januar  1913  eine  Höhe  von  rund
33  Milliarden  Frcs.  Ihr  Stand  am  1.  Januar  1913  bot  für  die  beiden
Hauptgruppen:  Konsolidierte  Schuld  und  Rückzahlbare  Schuld  das
folgende  Bild  (in  Mill.  Frcs.):

Konsolidierte  Schuld:
3°/ 0  ewige  Rente  21922,2
Rückzahlbare  Schuld:
3  °/ 0  amortisable  Rentei
Annuitäten  ------1
  10  959,3

Schatzscheine
Schwebende  Schulden

ile  Renten
:hulden  f

*)  a.  a.  O.  S.  489.

Insgesamt  32  881,5
            
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