Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft, 
147 
Frankreich von der gewaltigsten aller Erschütterungen verschont bleiben 
können oder zum mindesten, falls der große europäische Krieg unver 
meidlich war, mit einem sicheren und kräftigeren Rüstzeug in den 
Kampf zu treten vermocht. 
Es bleibt für die Zukunft das neue Ziel: Die noch vorhandenen 
Energien nach wirtschaftlichen Gesetzen zur guten und fortschreitenden 
Entwicklung zu erwecken, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und 
Widerstandsfähigkeit zu heben und die hierbei errungenen materiellen 
Gewinne für die vielen noch zu lösenden kulturellen und sozialen Auf 
gaben zu verwenden. Eine klare und bestimmt gewollte Erkenntnis 
wird die Leiter des französischen Kapitals, die Leiter des französischen 
Wirtschaftsgetriebes und die Regierung auf diese neue, gesunde 
Bahn bringen müssen, eine Bahn, die ihnen auch der Franzose Cam- 
b o n in scharfen Strichen vorgezeichnet hat: 
„Wir wollen unseren Finanzleuten nahelegen, daß sie etwas weniger, 
und unseren Industriellen, daß sie etwas mehr über unsere Grenzen 
hinausschauen. Besonders müssen wir sie davon überzeugen, daß die 
Schuldner, welche nur imstande sind, eine schwache Sicherheit zu bieten, 
als kreditunwürdig angesehen werden müssen. Ein intelligenter Mann, 
der arbeitet und gebildet ist, stellt ebenfalls einen „Bankwert“ dar. 
Die Aufgabe der Kapitalisten muß darin bestehen, zu unterscheiden, 
wer des Kredites würdig ist und derartigen Leuten ist ihre Hilfe zu 
gewähren. Bereiten wir uns dazu vor, unsere Pro 
dukte auszuführen, anstatt daß wir weiterhin 
unser Kapital an das Ausland abgeben.“ 1 ) 
V. Staatsfmanzen. 
Um zur Beurteilung der staatsfinanziellen Operationen, wie sie die 
französische Republik während dieses Krieges verfolgt, zu gelangen, 
ist zunächst eine kurze Darstellung der finanziellen Entwicklung vor 
Ausbruch des Krieges zu geben. 
Charakteristisch für den französischen Staatshaushalt war der stete 
Kampf mit finanziellen Sorgen. Die Staatskassen wiesen selten nennens 
werte Bestände auf und konnten daher aus eigener Kraft das Gleichge 
wicht in den Friedensbudgets nicht hersteilen. Die Staatsschuld stieg so 
von Jahr zu Jahr und erreichte am 1. Januar 1913 eine Höhe von rund 
33 Milliarden Frcs. Ihr Stand am 1. Januar 1913 bot für die beiden 
Hauptgruppen: Konsolidierte Schuld und Rückzahlbare Schuld das 
folgende Bild (in Mill. Frcs.): 
Konsolidierte Schuld: 
3°/ 0 ewige Rente 21922,2 
Rückzahlbare Schuld: 
3 °/ 0 amortisable Rentei 
Annuitäten ------ 
1 10 959,3 
Schatzscheine 
Schwebende Schulden 
ile Renten 
:hulden f 
*) a. a. O. S. 489. 
Insgesamt 32 881,5
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.