Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

I.  Moratorien.
Der  Krieg  stellt  die  an  ihm  beteiligten  Nationen  nicht  allein  vor
bedeutsame  militärische  Probleme,  sondern  auch  vor  besonders  geartete
und  schwierige  wirtschaftliche  Aufgaben.  Die  Richtlinien  und  Ziele
dieser  Aufgaben  können  scharf  gezeichnet  werden:
Es  ist  in  erster  Linie  der  Kriegsbedarf  an  Gütern  aller  Art  zu  decken
und  der  Krieg  selbst  zu  finanzieren.
Weiterhin  die  Volkswirtschaft  im  Innern  in  ihrem  Gange  zu  erhalten
und  damit  ihr  die  hierfür  erforderlichen  Geld-  und  Kreditmittel  bereit
zu  stellen.
Es  gehören  also  zur  glücklichen  und  tatkräftigen  Durchführung
eines  Krieges  sowohl  ein  schlagfertiges  Heer  als  auch  eine  schlagfertige
Finanz.  Die  finanziellen  und  wirtschaftlichen  Maßnahmen  werden  daher
bei  allen  Kriegsparteien  mit  derselben  Aufmerksamkeit  verfolgt  wie
die  militärischen  Ereignisse.  Eine  gute  Finanz-  und  Wirtschaftslage
ist  geeignet,  das  Vertrauen  auf  das  Gesamtergebnis  des  Feldzuges  im
eigenen  Lande  zu  befestigen  und  macht  gleichzeitig  einen  starken  Eindruck ­
  auf  den  Gegner  und  die  neutralen  Staaten.  Finanzielle  Schwächen
und  Mängel  in  der  wirtschaftlichen  Organisation  dagegen  bilden  eine
Gefahr  für  die  innere  Stärke  und  Zuversicht  und  können  dadurch  auf
die  eigene  Kriegsführung  ungünstig  zurückwirken.
In  dieser  Arbeit  wird  der  Versuch  unternommen,  darzulegen,  welche
Maßnahmen  in  der  französischen  Republik  von  berufener  Seite  getroffen ­
  wurden,  um  das  Land  während  der  Dauer  des  Krieges  vor  einer
finanziellen  und  wirtschaftlichen  Krisis  zu  bewahren,  wie  Bankwelt
und  Finanzverwaltung  arbeiten  und  welche  tiefgreifenden  Wirkungen
die  kriegswirtschaftlichen  Einflüsse  auf  sie  ausüben.
Die  letzten  Tage  des  Monats  Juli  brachten  Europa  die  unabwendbare ­
  Frage;  Krieg  oder  Frieden  ?  Anfang  August  verkündeten  die  führenden ­
  Kontinentalstaaten  die  Mobilmachung  von  Heer  und  Flotte,
und  damit  war  der  gewaltige  Weltkrieg  entfesselt.  Ein  Krieg  muß  notwendig ­
  das  Wirtschaftsleben  beeinflussen.  Er  ändert  fast  alle  Bedingungen
der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  und  lenkt  die  nationalen  Kräfte,  mögen
sie  ihre  Quellen  im  geistigen  oder  praktischen  Beruf  haben,  in  neue
Richtungen:  vor  allem  zur  Konzentration  auf  das  Kriegsziel.  England,
das  durch  seinen  Schatzkanzler  Lloyd  George  der  Welt  verkünden
|ieß;  „business  as  usual“,  hat  später  bald  erkannt,  daß  es  unmöglich
ist,  einen  gewaltigen  Weltkrieg  zu  führen  und  zu  gleicher  Zeit  die  hei-Respondek,
  Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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