Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

mische  Wirtschaft  unter  dem  ruhigen,  alten  Pulsschlage  des  Friedens
aufrecht  zu  erhalten.
Die  Ereignisse  waren  eben  zu  wuchtig,  als  daß  es  irgend  einer  Nation
möglich  gewesen  wäre,  sich  ihren  Einwirkungen  zu  entziehen.  Ließen
sie  auch  vielleicht  in  den  ersten  Wochen  des  Krieges  das  wirtschaftliche
Getriebe  unberührt,  so  war  dies  doch  wohl  nur  eine  scheinbare  Ruhe,
während  tatsächlich  die  Umgestaltung  und  Veränderung  langsam,  aber
stetig  vor  sich  gingen.  Möglicherweise  in  England  durchaus  unmerkbar,
da  man  bei  Beginn  des  Kampfes  nicht  an  die  Wahrscheinlichkeit  des
aktiven  Eingreifens  auf  dem  Festlande,  an  die  so  große  Ausdehnung
des  Kriegsschauplatzes  dachte,  dagegen  in  Deutschland  mehr  als  drastisch, ­
  bedingt  durch  die  bekannten  kriegswirtschaftlichen  Forderungen
von  Staat  und  Volkswirtschaft.  Eine  nicht  wesentlich  abweichende
Stellung  nahm  Frankreich  ein.  Obgleich  die  französische  Republik
den  ersten  Stoß  des  Krieges  nicht  so  sehr  zu  fürchten  hatte,  wie  z.  B.
ihr  Gegner  Deutschland,  das  geographisch  bedeutend  ungünstiger
liegt,  muß  man  die  schwache  Konjunktur  der  vorausgegangenen  Zeit,
wie  sie  in  fast  allen  europäischen  Großmächten  vorherrschte,  als  einen
für  Frankreich  überaus  glücklichen  Umstand  bezeichnen.  Bei  Ausbruch ­
  des  Krieges  befand  sich  die  französische  Volkswirtschaft  nicht
im  Stadium  einer  ausgesprochenen  regen  Hochkonjunktur.  Im  Gegenteil.
Das  Wirtschaftsleben  lag  ziemlich  untätig  darnieder.  Langsam  und
stetig  senkte  sich  seit  dem  Jahre  1913  die  Konjunkturkurve.  Diese
dahinvegetierende  wirtschaftliche  Lage  spiegelte  sich  auch  im  Pariser
Geldmarkt  wieder.  Dieser  wies  eine  Fülle  freier  Kapitalien  auf,  war
dadurch  stets  äußerst  flüssig  und  erhielt  noch  starke  Zuflüsse  aus  dem
Ausland,  besonders  aus  Amerika  und  Rußland.  Boten  also  die  wirtschaftliche ­
  und  finanzielle  Lage  ein  ziemlich  ruhiges  Bild,  so  waren  dennoch
die  Ereignisse,  wie  sie  durch  den  Kriegsausbruch  hervorgerufen  wurden,
zu  überwältigend,  um  nicht  dennoch  tiefe  Erschütterungen  hervorzurufen. ­
  In  Frankreich  stagnierte  denn  auch  seit  dem  Tage  der  Mobilmachung ­
  bis  zum  Stillstand  des  ersten  deutschen  Vormarsches  das  Wirtschaftsleben ­
  vollkommen.  Handel  und  Verkehr  ruhten,  die  Kreditinstitute ­
  übten  in  ihrer  Geschäftstätigkeit  die  größte  Zurückhaltung
aus  oder  stellten  sie  gänzlich  ein,  die  Notenbank  erhöhte  rasch  ihre
Diskontrate  und  auch  der  Geschäftsmann  und  Privatmann  verloren
ihre  Fassung.  Diese  allgemeine  Stockung  im  Denken  und  Handeln
wurde  in  erster  Linie  auf  den  Zahlungsverkehr  übertragen.  Hier  rechnete
alles  mit  einem  gesetzlichen  Zahlungsaufschübe  auf  jedem  Gebiete.
In  diesen  Empfindungen  wurden  die  Kreise  der  Bankwelt,  des  Handels ­
  und  der  Industrie  bestärkt  durch  die  nervöse  Spannung,  die  sich
schon  frühzeitig  wie  ein  unheilvoller  und  undurchdringlicher  Schatten
über  dem  wirtschaftlichen  und  politischen  Leben  ausbreitete  und  auch
die  Pariser  Börse  erfaßte  und  schließlich  zur  Panik  führte.
Tatsächlich  gelangte  die  Pariser  Börse  bei  der  Ultimoregulierung
des  Monates  Juli  in  ernste  Schwierigkeiten  und  fand  keine  Hilfe,  um
            
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