Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

des  Zwanges  zu  ihrem  Vorteil  ermöglichen.  Aus  allen  diesen  Komplikationen ­
  die  richtige  Lösung  zu  finden,  ist  nicht  leicht,  wenn  der  Staat
nicht  den  Weg  der  generellen  Aufhebung  des  Moratoriums  beschreiten  will.
Nach  den  Mitteilungen  des  Finanzministers  R  i  b  o  t  im  Senat
vom  5.  August  1915  zirkulierten  in  Frankreich  und  im  Auslande  unter
Einschluß  aller  Konversionen  und  Barzahlungen  am  31.  Juli  1915,  d.  h.

nach  etwa  10  Monaten:
National-Verteidigungs-Wechsel  6958,00  MiU.  Frcs.
„  „  Obligationen  2695,00  „  „

Zusammen  9653,00  MiU.  Frcs.

Der  Erlös  aus  dieser  doppelten  Anleiheform  ist  höchst  geringfügig, ­
  namentlich  wenn  in  Betracht  gezogen  wird,  daß  für  die  Sparer
und  Kapitalisten  jeder  Tag  ein  Zeichnungstag  ist,  an  dem  sie  die  jeweilig
freien  Gelder  dem  Staate  durch  den  Ankauf  jener  National-Verteidigungs-Wechsel
  oder  -Obligationen  hingeben  können.  Um  eine  lebhaftere  Zufuhr ­
  von  Kapitalien  zu  erreichen,  war  das  Schatzamt  bestrebt,  eine  rege
Propaganda  mit  Hilfe  der  Presse,  Schule  und  Kirche  zu  entfesseln.
Aber  kein  Mittel  löste  eine  höhere  Beteiligung  aus  und  vermochte  den
Kauf  jener  neuen  Titel  zu  beleben.  Auch  die  unermüdliche  und  intensiv
betriebene  Werbetätigkeit  der  Presse,  die  zu  gleicher  Zeit  eine  eindringliche ­
  Belehrung  über  die  mannigfachen  Vorteile  gab,  die  der  Ankauf
von  National-Verteidigungs-Wechseln  und  -Obligationen  in  sich  birgt,
konnte  das  Ergebnis  nicht  im  ersehnten  Ziele  beeinflussen.  Ganz  entschieden ­
  wurde  von  der  „finanziellen  Dienstpflicht“  der  Zurückgebliebenen ­
  gesprochen,  eine  hohe  und  schnelle  Zeichnung  dem  blutigen
Kampfe  auf  den  Schlachtfeldern  gleichgestellt.  Der  „Temps“  schrieb:
„Es  ist  Pflicht,  diese  Noten  in  Schatzscheine  umzuwandeln,  entweder
in  5  %  Schatzwechsel  mit  vorheriger  Zinszahlung  oder  in  5  %  Obligationen ­
  mit  vorheriger  Zinszahlung  und  Rückzahlungsprämie.  Weder
die  einen  noch  die  anderen  unterliegen  der  Steuer;  sowohl  die  einen  als
auch  die  anderen  werden  zu  den  künftigen  Anleihen  zugelassen.  Jeder
Zeichner  vollführt  die  Handlung  eines  guten  Franzosen 1 ).“  Der  Herausgeber ­
  des  L’Economistc  Frangais“  wendet  sich  in  flammenden  Worten
an  seinen  Leserkreis  mit  der  Aufforderung  zur  Zeichnung  der  Schatzscheine. ­
  In  seinen  Aufrufen  hält  er  die  Notwendigkeit  und  die  Vorteile
einer  reichlichen  Zeichnung  vor  Augen.  So  z.  B.  schreibt  er  wörtlich: 1  2 )
„.  .  .  .  jener  Sieg,  unsere  Helden  werden  ihn  uns  geben.  Aber  es
liegt  in  unserer  Hand,  seine  schnelle  Verwirklichung  zu  begünstigen.
Keine  Armee  ohne  Proviant,  kein  Proviant  ohne  Geld  im  Schatzamte.
Zeichnet  daher  immer  und  immer  wieder  die  Bons  und  Obligationen,
dann  die  große  nationale  Anleihe.  (Bereits  hier  der  Hinweis  auf  die
projektierte  Anleihe.)  Die  Stunde  des  Zögerns  ist  vorüber.  Frankreich,
dessen  finanzielle  Macht  die  Bewunderung  der  Welt  erregt,  muß  seiner

1 )  Temps  12.  August  1915.
2 )  a.  a.  O.  13.  November  1915,  S.  651.
            
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