172
Erwin Respondek,
sache für ihre Bewegung nach oben haben, fast beängstigend an. So
die Summe der Unterstützungsgelder für Familien, deren Ernährer
mobilisiert sind. Sie erreichten seit Kriegsbeginn 2173,00 Mül. Frcs. So
ziale Hilfsmaßnahmen für die Zivilbevölkerung, die durch den Krieg
in Mitleidenschaft gezogen ist, Ernährung der armen Zivilbevölkerung,
Unterstützung der Flüchtlinge, belasten das Budget sehr empfindlich.
Zum ersten Male weist die BudgetaufStellung auch den Posten „Kre
dite zum Aufbau der Kriegsschäden“ auf. Er ist zunächst nur 300,00
Mill. Frcs. hoch, ist aber ein Posten, der sehr bald einen größeren Be
trag erfordern wird. Der Finanzminister führt der Kammer die Aus
gaben der anderen kriegführenden Großmächte vor Augen, die sich
noch höher stellen, und sucht durch diesen Vergleich die eigene Bürde
ein wenig zu Verkleinern. Er führt an:
Kriegskosten pro Monat
in Frankreich ..... 2075,00, pro Tag 70,00 Mill. Frcs.
„ Deutschland .... 2500.00 „ „ 83,30 „ ,
„ England 2500,00, „ „ 83,30 „ „
„ Rußland 1600,00, „ „ 53,30 „ „
Aber er gab sich keinen Täuschungen hin. Denn wenn auch die
Ausgaben für die Kriegführung relativ zu den anderen Staaten klein
sein mögen, so sind auf der anderen Seite dafür die Einnahmen gleich
falls wesentlich geringer als in England oder Deutschland. Zudem ge
staltet sich die Kriegskostendeckung in jenen Ländern durch die An
leiheemissionen viel leichter und einfacher als in Frankreich. Der
Finanzminister sitzt an der Quelle, so daß er wohl recht genau die Kraft
der beiden Kapitalgeber Notenbank und Ausland kennen wird. Nach
einem vollen Kriegsjahre, am i. August 1915, hatte die Notenbank dem
Staate bereits 6500,00 Mill. Frcs. vorgeschossen. Der Spielraum zwi
schen den geleisteten Vorschüssen und dem Vorschußkontingent beträgt
somit 2500,00 Mill. Frcs. Eine Betrachtung der Bewegung des Noten
umlaufs ergibt hierzu als natürliche Folge:
Notenumlauf am i. August 1915 . ... 12 600,00 Mill. Frcs.
Notenkontingent 15 000,00 „ „
d. h. ein Ekart von 400,00 Mill. Frcs.
Hiernach könnte also das Schatzamt nicht einmal die Vorschuß
pflicht der Bank voll benutzen, sondern nur noch 2400,00 Mill. Frcs.
Vorschüsse von der Notenbank fordern, wenn nicht etwa die Regierung
das Notenemissionsrecht nochmals erhöhen sollte. Bei einer Erweite
rung des Notenkontingents würde als Parallelaktion dann wohl auch die
Vorschußpflicht der Bank von Frankreich erhöht werden. Hiergegen
sprechen aber zahlreiche und scharfe Bedenken. Uneingeschränkte
Emission von Noten und Zwangskurs sind an der zerrütteten Valuta
mitschuldig. Man darf also annehmen, daß Ribot eine weitere Aus
dehnung der Noten- und Vorschußgrenzen nicht in Betracht zieht.
Zum mindesten wird er sie als letzte aller Reserven in den Hintergrund