Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

h  a.  a.  O.  September  1915.

Rente.  Diese  Wünsche  konnten  dem  Schatzamte  nur  genehm  sein,  denn
es  hätte  kaum  eine  amortisable  Rente  auflegen  können.  Dazu  ist  einmal ­
  die  Finanzverwaltung  des  Staates  durch  den  Krieg  und  die  zukünftigen ­
  Friedens-  und  Restaurationsarbeiten  bereits  zu  schwer  belastet, ­
  und  dann  hat  Frankreich  auch  schon  eine  amortisable  Rente,
die  im  Jahre  1953  zurückgezahlt  werden  soll.  Für  die  neu  aufzulegende
Rente  wurden  in  Finanzkreisen  bereits  aus  den  Andeutungen  im
September  in  den  Monaten  Oktober  und  November  bestimmte  Richtlinien
gezogen.  Im  allgemeinen  gingen  die  Wünsche  dahin,  einen  5  %  Rententyp ­
  zu  emittieren,  und  man  nannte  auch  einen  kontingentierten  Betrag
von  10  000,00  Mill.  Frcs.  und  einen  Emissionskurs  zwischen  88  bis  90  %.
Außer  dem  wäre  die  neue  Anleihe  von  allen  gegenwärtigen  und  zukünftigen ­
  Steuern  vollkommen  freizustellen:  „Dies  ist  die  unerläßliche  Vorbedingung ­
  für  den  Erfolg“ 1 ),  sagte  der  französische  Nationalökonom
Leroy-Beaulieu.  Hervorgehoben  werden  möge,  daß  von
vornherein  sich  die  Finanzkreise  gegen  eine  Umwandlung  der  3  %
ewigen  Rente  in  die  neue  Anleihe  wandten.  Man  wollte  also  offenbar ­
  das  englische  Beispiel  der  glanzvollen  Kombinations-Konvertierung
der  alten  Anleihen  in  die  2.  Kriegsanleihe,  die  jetzt  England  die  größten
Hindernisse  für  die  Auflage  einer  3.  Anleihe  bereitet,  nicht  nachahmen.
Diese  Neuerung  würde  nach  ihren  Ansichten  nicht  sehr  glücklich  sein
und  die  Geldnot  nicht  beseitigen  können.  Dagegen  ist  eine  Transformation ­
  der  National-Verteidigungs-Wechsel  und  -Obligationen  laut  Zusage ­
  angebracht.  So  konnte  man  bereits  die  Opfer  erkennen,  welche
die  Regierung  wohl  auf  sich  nehmen  würde,  um  einen  Milliardenerfolg ­
  zu  erzielen.  Sie  wird  den  Besitzern  der  Schatzscheine,  die  durch
eine  weitherzige  Bevorzugung  eine  effektive  Verzinsung  von  5,7  %  erzielen, ­
  noch  größere  Zugeständnisse  machen,  um  ihr  Versprechen  einlösen ­
  zu  können.
Bald  stand  es  fest,  daß  die  Regierung  noch  vor  Beendigung  des
Jahres  1915  eine  Anleihe  auflegen  würde.  Sie  wurde  für  den  Spätherbst
erwartet.  Mit  dem  Tage  ihrer  öffentlichen  Auflegung  sollte  gleichzeitig
die  große  geplante  Durchbruchsschlacht  an  der  Ostfront  mit  einem  glänzenden ­
  Erfolge  ihren  Anfang  nehmen.  Die  schweren  Kämpfe  im  Oktober ­
  brachten  Frankreich  nicht  den  heiß  ersehnten  Durchbruch  der
lebenden  deutschen  Mauer.  Die  Anleiheemission  wurde  verschoben.
Nach  längeren  Zögerungen  hat  die  französische  Regierung  sich
aber  endlich  entschlossen,  ohne  die  für  den  Erfolg  zweifellos  sehr
wertvolle  militärische  Mithilfe  mit  einer  festen  Anleihe  vor  das  Volk
zu  treten  und  in  Ermangelung  eines  zeitigen  Sieges  den  Waffensieg
vom  Geldsiege  abhängig  zu  machen.  Sie  legte  die  Zeichnungsfrist  für
ihre  erste  Kriegsanleihe  in  die  Zeit  November/Dezember.  Unter  den
Gesichtspunkten  der  politischen  und  militärischen  Lage  ist  für  die
französische  Republik  dieser  Zeitpunkt  als  ungünstig  zu  bezeichnen,
was  nicht  ohne  Einfluß  auf  das  Ergebnis  bleiben  konnte.  Die
            
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