Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

sache  für  ihre  Bewegung  nach  oben  haben,  fast  beängstigend  an.  So
die  Summe  der  Unterstützungsgelder  für  Familien,  deren  Ernährer
mobilisiert  sind.  Sie  erreichten  seit  Kriegsbeginn  2173,00  Mül.  Frcs.  Soziale ­
  Hilfsmaßnahmen  für  die  Zivilbevölkerung,  die  durch  den  Krieg
in  Mitleidenschaft  gezogen  ist,  Ernährung  der  armen  Zivilbevölkerung,
Unterstützung  der  Flüchtlinge,  belasten  das  Budget  sehr  empfindlich.
Zum  ersten  Male  weist  die  BudgetaufStellung  auch  den  Posten  „Kredite ­
  zum  Aufbau  der  Kriegsschäden“  auf.  Er  ist  zunächst  nur  300,00
Mill.  Frcs.  hoch,  ist  aber  ein  Posten,  der  sehr  bald  einen  größeren  Betrag ­
  erfordern  wird.  Der  Finanzminister  führt  der  Kammer  die  Ausgaben ­
  der  anderen  kriegführenden  Großmächte  vor  Augen,  die  sich
noch  höher  stellen,  und  sucht  durch  diesen  Vergleich  die  eigene  Bürde
ein  wenig  zu  Verkleinern.  Er  führt  an:
Kriegskosten  pro  Monat

in  Frankreich  .....  2075,00,  pro  Tag  70,00  Mill.  Frcs.
„  Deutschland  ....  2500.00  „  „  83,30  „  ,
„  England  2500,00,  „  „  83,30  „  „
„  Rußland  1600,00,  „  „  53,30  „  „

Aber  er  gab  sich  keinen  Täuschungen  hin.  Denn  wenn  auch  die
Ausgaben  für  die  Kriegführung  relativ  zu  den  anderen  Staaten  klein
sein  mögen,  so  sind  auf  der  anderen  Seite  dafür  die  Einnahmen  gleichfalls ­
  wesentlich  geringer  als  in  England  oder  Deutschland.  Zudem  gestaltet ­
  sich  die  Kriegskostendeckung  in  jenen  Ländern  durch  die  Anleiheemissionen ­
  viel  leichter  und  einfacher  als  in  Frankreich.  Der
Finanzminister  sitzt  an  der  Quelle,  so  daß  er  wohl  recht  genau  die  Kraft
der  beiden  Kapitalgeber  Notenbank  und  Ausland  kennen  wird.  Nach
einem  vollen  Kriegsjahre,  am  i.  August  1915,  hatte  die  Notenbank  dem
Staate  bereits  6500,00  Mill.  Frcs.  vorgeschossen.  Der  Spielraum  zwischen ­
  den  geleisteten  Vorschüssen  und  dem  Vorschußkontingent  beträgt
somit  2500,00  Mill.  Frcs.  Eine  Betrachtung  der  Bewegung  des  Notenumlaufs ­
  ergibt  hierzu  als  natürliche  Folge:

Notenumlauf  am  i.  August  1915  .  ...  12  600,00  Mill.  Frcs.
Notenkontingent  15  000,00  „  „
d.  h.  ein  Ekart  von  400,00  Mill.  Frcs.

Hiernach  könnte  also  das  Schatzamt  nicht  einmal  die  Vorschußpflicht ­
  der  Bank  voll  benutzen,  sondern  nur  noch  2400,00  Mill.  Frcs.
Vorschüsse  von  der  Notenbank  fordern,  wenn  nicht  etwa  die  Regierung
das  Notenemissionsrecht  nochmals  erhöhen  sollte.  Bei  einer  Erweiterung ­
  des  Notenkontingents  würde  als  Parallelaktion  dann  wohl  auch  die
Vorschußpflicht  der  Bank  von  Frankreich  erhöht  werden.  Hiergegen
sprechen  aber  zahlreiche  und  scharfe  Bedenken.  Uneingeschränkte
Emission  von  Noten  und  Zwangskurs  sind  an  der  zerrütteten  Valuta
mitschuldig.  Man  darf  also  annehmen,  daß  Ribot  eine  weitere  Ausdehnung ­
  der  Noten-  und  Vorschußgrenzen  nicht  in  Betracht  zieht.
Zum  mindesten  wird  er  sie  als  letzte  aller  Reserven  in  den  Hintergrund
            
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