Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
193
zeugt das in der Tabelle ersichtliche arge Mißverhältnis zwischen Vor
anschlag und Effektivertrag. Dagegen ließ man im zweiten Kriegs] ahre
wohl neben der Hoffnung auf gute Resultate auch die gesammelten
Erfahrungen aus dem Vorjahre zur Geltung gelangen und schätzte ein
wenig vorsichtiger.
Die Gesamteinnahmen erreichten, wie der Bericht betont, gegen
78,65 % der Friedenseinnahmen. Er verweist hierbei auf die Tatsache,
daß ein immerhin umfangreicher Teil des Landes, der mit zu den er
tragreichsten und steuerkräftigsten Bezirken und dichtesten Bevölke
rungsgegenden zählt, vom Feinde besetzt sei. So sei dieses Ergeb
nis sehr zufriedenstellend und ein Zeichen für die ungebrochene
Konsumtionskraft der restlichen Gebiete. Wenngleich im zweiten
Jahre die Einnahmen eine Steigerung gegenüber dem ersten um
etwa 642,00 Milk Eres, erfuhren, so kann dennoch nicht auf eine wesent
liche nochmalige Erhöhung gerechnet werden. Die Steuerkraft dürfte
auf ihrer Höchstgrenze angelangt sein. Denn so wie die indirekten
Steuern, Stempelsteuer, Zölle und Monopole den oben nachgewiesenen
Mindererlös von 1805,00 Milk Eres, erbrachten, weisen auch die Eingänge
aus den direkten Steuern, die mit 1221,00 Milk Eres, veranschlagt
waren und nur 942,00 Milk Eres, eintrugen, ein Minus von 279,00 Milk
Eres. auf. Unter Zugrundelegung der budgetären Einnahmen im zweiten
Kriegsjahre kann daher der Erlös für die letzten fünf Monate des lau
fenden Jahres mit höchstens 1500,00 Milk Eres, angenommen werden 1 ).
Nach diesen Angaben über die budgetären Einnahmen geht nun
mehr der Bericht dazu über, einen Rückblick auf die Lage des Schatz
amtes selbst und die während der beiden ersten Kriegsjahre veränderte
öffentliche Schuld zu geben. Er hebt zunächst das Dekuvert der zwei
jährigen Kriegsbilanz hervor. Die Differenz zwischen den Einnahmen
und Ausgaben ergibt als ungedeckte Verbindlichkeiten eine Summe von
35,00 Milliarden Eres., die noch erhöht wird durch die gesondert auf
geführten Leistungen an die Verbündeten mit 1650,00 Milk Eres., um
fangreiche Vorschüsse an die Handelskammern, Gesellschaften für Ver
wundetenpflege, Zuwendungen an die Eisenbahnen, um deren Kapital
bedarf zu decken. Außerdem wurden größere Beträge dem Departe
ment du Nord und für die Ernährung der Zivilbevölkerung bereitge
stellt und aufgebraucht. Eine Reihe von Departements, Kommunen,
die Caisse des Depöts et Consignations, Truppenkorps und andere Kun
den des Schatzamtes haben ihre Einlagen zurückgezogen. Insgesamt
belaufen sich diese Ausgaben auf etwa 3 Milliarden Eres., so daß der
Kassenausgang des Schatzamtes einen Betrag von 38 Milliarden Eres,
überschritten hat. Diese Summe war also zu decken. Unter welchen
Schwierigkeiten und mit welchem wechselreichen finanzpolitischen Ge
schick der Finanzmmister arbeitete, um diese Lasten auf seine Kapitals
quellen zu verteilen, wurde schon zur Genüge gezeichnet. Es mögen
*) Effektiv-Eingänge vom 1. August 1913 bis 31. Juli 1916: 3445,00 Milk Frcs., d. h.
für den Monat 287,00 Mill. Frcs.
Respondek, Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
13