Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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ja in den ersten Kriegsmonaten gegeben. Er lag in der Thesaurierung
von Hartgeld und Noten. Aber die ununterbrochene Steigerung in der Aus
gabe von Noten erforderte Gegenmaßregeln, um eine Entwertung des Geldes
zu vermeiden. Unabhängig von der bei vielen Notenbanktheoretikern
tief wurzelnden Dritteldeckung in Gold, bewahrt die Note im Inlande
und Auslande nur so lange ihren nominellen Wert, als die Bevölkerung
ihr volles Vertrauen schenkt. Eine Notenzirkulation aber, die von einer
Milliarde zur anderen ohne Ruhepausen steigt und auf einer beweglichen
Goldbasis zwischen 4000—5000 Mill. Frcs. ruht, muß ein gewisses
Furchtgefühl erregen und auch im Auslande Bedenken hervorrufen.
Eine fortgesetzte Notenausgabe ließ und läßt sich infolge der Staats
vorschußleistungen jedoch nicht vermeiden. Nun kann, was durch
die Darlegungen begründet ist, infolge der intensiven Thesaurierung
nicht von einer Notenzirkulation gesprochen werden, sondern nur
von einer Notenemission. Die Bank von Frankreich suchte daher
die von der Bevölkerung thesaurierten, in ihrem Wochenausweis als
emittiert erscheinenden Noten wieder an sich zu ziehen und leitete
in der Tagespresse eine geschickte Propaganda ein, um dieses Ziel zu
erreichen 1 ). Sie stellte es als eine patriotische Tat hin, nur so viel Noten
im Haushalte zu halten, als der laufende Bedarf es unbedingt erfordert.
Die überschüssigen Summen sollten für Rechnung der Eigentümer
in das Depot der Notenbank gegeben werden. Hier stehen sie den Be
sitzern jederzeit zur Verfügung und sind sicherer als in jedem Geldschrank
aufbewahrt. Die Bank selbst errichtete zu diesem Zwecke den Privaten
besondere Konten und gewährleistet dem Einlieferer die jederzeitige
Rückzahlung des Noten-Dupots. Diese Einzahlungen würden in der
Wochenbilanz unter den „täglich fälligen Verbindlichkeiten“ ihre Ver
rechnung finden und so hier weniger auffallen als der Posten „Noten
umlauf“. Von welchen Erfolgen diese Bewegung begleitet war, konnte
bisher nicht ermittelt werden, da in dem Bankausweise hierüber keinerlei
zahlenmäßige Angaben verzeichnet und auch von keiner Seite aus irgend
welche Mitteilungun gemacht sind. Es ist aber mit großer Wahrschein
lichkeit anzunehmen, daß durch die rege und eindringliche Propaganda
beträchtliche Mengen der festgehaltenen Noten losgelöst wurden, aber
weniger um in die Keller der Bank von Frankreich zu fließen als in den
freien Verkehr und hier die schädlichen Wirkungen der anhaltenden
Notenausgabe noch verstärken halfen.
Den der Volkswirtschaft einguräumten Diskontkredit zeigt die Be
wegung des Wechselbestandes an. (Die Lombarddarlehen halten
sich in engen Grenzen und können hier außer Betracht gelassen werden 1 2 ).)
1 ) Temps im August 1915; Semaine Financiere Juli—Sept. 1915.
2 ) Nach den Wochenausweisen gewährte die Notenbank die folgenden Vorschüsse
an Private:
28. Januar 1915 725,00 Mill. Frcs.
29. Juli 1915 59 1 , 00 „
16. Dezember 1915 1146,00 „ „ *) (wenden!)
*) Erste Einzahlung auf die I. Kriegsanleihe.