Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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Gläubiger-Ländern  in  Beträgen,  in  denen  diese  Sendungen  notwendig
waren,  um  den  Saldo  unserer  Verbindlichkeiten  zu  decken,  waren  die
Heilmittel,  die  Kraft  genug  besaßen  zu  helfen,  ohne  ernste  Schwierigkeiten ­
  hervorzurufen  .  .  ,“ 1 ).
Diese  beiden  Mittel  hätten,  soweit  es  heute  von  hier  aus  zu  beurteilen
ist,  einen  sicheren,  dauernden  Erfolg  nicht  gebracht.  Eine  Diskonterhöhung ­
  würde  vielleicht  eine  verhältnismäßig  fühlbare  Einschränkung
von  Einfuhrartikeln  nach  sich  ziehen,  aber  auch  nur  dann,  wenn  sie
um  mehrere  Prozente  erfolgt.  Eine  solche  Diskonterhöhung  würde  aber
auf  der  anderen  Seite  alle  jene  Bestrebungen  der  Notenbank  wieder
ersticken,  die  darauf  gerichtet  sind,  das  sich  langsam  regende  wirtschaftliche ­
  Leben,  das  allmählich  wieder  einziehende  Vertrauen  kräftig  durch
einen  leichten  Diskont  zu  fördern.  Ebenso  unfruchtbar  wäre,  wie  bereits
erörtert,  der  Kampf  gegen  die  konstante  Passivität  mit  einer  rücksichtslosen ­
  Goldausfuhr  gewesen.  Sie  hätte  in  den  Kredit  der  Bank  gefährliche ­
  Lücken  gerissen,  falls  sie  dazu  noch,  nach  dem  Wunsche  einiger
Theoretiker,  ohne  Maß  und  Schranken  erfolgt  wäre.  Unbeschränkter
Goldexport  zur  Rettung  der  Devisenkurse  würde  die  Bank  in  eine  Währungs-
  und  Kreditkrisis  stürzen,  in  der  sie  selbst  leicht  zu  Falle  kommen
könnte.
Noch  eine  offene  Frage  bleibt  zu  beantworten.  Übt  nicht  die  verstärkte ­
  Notenemission  schädliche  Einflüsse  auf  den  inneren  Wert  der
französischen  Währung  aus?  Zweifellos.  Mit  der  starken  Zunahme
des  Notenumlaufes  ist  eine  Veränderung  des  Geldwertes  verknüpft.
Es  ist  aber  wohl  zu  beachten,  daß  zunächst  die  reine  Golddeckung  der
französischen  Banknoten  relativ  ziemlich  hoch  ist.  Aus  den  Wochen-Ausweisen
  ist  zu  ersehen,  daß  die  tiefste  prozentuale  Golddeckung  der
Noten  im  Juli  1915  mit  32  %  erreicht  wurde,  und  daß  im  Durchschnitt
die  Noten  Zu  gut  %  mit  Gold  gedeckt  sind.  Aber:  Ein  10,  12,  ja  sogar
15  Milliarden  Notenumlauf  stellt  dennoch  eine  ungesunde  Vermehrung
des  Geldbesitzes  dar  und  muß  zum  Mißtrauen  an  der  Zahlungsfähigkeit
der  Notenbank  Frankreichs  führen.  Zwar  hat  die  französische  Note
auch  noch  in  den  späteren  Kriegsmonaten  die  ihr  innewohnende
Eigenschaft  als  Geldmittel  nicht  ausgeübt.  Sie  hat,  wie  schon  erwähnt,
durch  das  eigenartige  Verhalten  der  Bevölkerung  z.  T.,  wirtschaftlich
betrachtet,  einen  anderen  Charakter  angenommen.  Eine  ausgedehnte
Thesaurierung  von  Banknoten  erzeugte  im  Geldverkehr  Lücken,  die
immer  wieder  nur  durch  Noten  ausgefüllt  werden  konnten.  So  verlor
die  starke  Notenemission  in  der  ersten  und  nachfolgenden  Zeit  ihren
gefährlichen  Charakter  als  künstliches  Zusatzgeld,  und  da  die  Noten
m  ihrer  zirkulatorischen  Aufgabe  verhindert  sind,  vermögen  sie  die
ihnen  innewohnende  Kaufkraft  nicht  auszuüben.  Sie  gelten  somit  wirtschaftlich ­
  als  nicht  ausgegeben,  da  es  natürlich  für  die  Volkswirtschaft
im  Prinzip  gleichgültig  ist,  ob  die  Noten  in  der  Notenbank  oder  in  den
fehatzkästen  der  Privaten  festliegen.  Man  kann  zwar  sagen,  daß  die

l )  Bank  von  Frankreich,  Geschäftsbericht  1915,  S.  11.
            
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