Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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sondern  auch  bei  dem  Haschen  nach  Aufträgen.  Gute  und
schlechte  Organisationen  sammelten  sich  um  die  Krippe  der  Heeresbehörden ­
  und  suchten  sich,  nicht  selten  durch  gegenseitige  Unterbietung, ­
  die  Heeresaufträge  abzujagen;  persönliche  Beziehungen  wurden ­
  ausgenutzt,  und  trotz  aller  Bemühungen  der  Bekleidungsämter
blieb  es  bei  einer  völlig  dem  Zufall  anheimgestellter!,  den  größten
Schreier  und  nicht  das  größte  Bedürfnis  berücksichtigenden  Verteilung. ­
  Daß  bei  diesem  Treiben,  zumal  manche  Stellen  schlecht
und  unpünktlich  lieferten,  einigen  Aemtern  überhaupt  die  Lust  verging, ­
  gemeinnützige  Vereine  zu  berücksichtigen,  darf  nicht  wundernehmen. ­

Im  Laufe  des  Krieges  vollzog  sich  ein  selbsttätiger  Reinigungsprozeß; ­
  viele  Unternehmungen  gingen  an  ihrer  eigenen  Unfähigkeit ­
  zugrunde,  andere  schloffen  sich  zu  mehr  oder  weniger  engem
Miteinanderarbeiten  zusammen;  viele,  die  anfänglich  einen  stark
dilettantischen  Charakter  trugen,  haben'  sich  zu  besserer  Geschäftsführung ­
  und  größerem  sozialpolitischem  Verständnis  emporgearbeitet ­
  und  gewisse  grundsätzliche  Fragen  mit  den  andern  örtlichen
Stellen  gemeinsaut  geregelt.  Trotzdem  würde  es  kein  Schade  sein,
wenn  die  Wurfschaufel  noch  kräftiger  gehandhabt  und  die  Spreu
schärfer  vom  Weizen  gesondert  würde.
Nur  an  wenigen  Stellen,  so  namentlich  im  Großherzogtum
Hessen,  erkannte  man  von  vornherein  die  Bedeutung  eines  großzügigen, ­
  einheitlichen  Vorgehens,  das  den  Schäden  dieser  Zersplitterung ­
  entgegenwirkte,  und  vermochte  für  diesen  Bundesstaat  dank
der  tatkräftigen  und  verständnisvollen  Hilfe  des  Bekleidungsamts
des  18.  Armeekorps  in  Mainz-Kastell  eine  Arbeitszentraleft  zu
schaffen,  die  in  straffer  Organisation  die  Arbeit  über  das  ganze
Land  verteilt.  Sie  sammelt  die  Arbeitswünsche  der  Vereine  und
Verwaltungen,  verteilt  die  Arbeit  nach  bestimmten  Grundsätzen,
sammelt  die  fertigen  Stücke  wieder  ein,  liefert  sie  ab,  schießt  die
Löhne  vor  und  rechnet  mit  den  Auftraggebern  als  allein  zuständige ­
  Stelle  ab.  Der  Geschäftsführer  berichtet  über  die  Organisationft:
  „Die  Haupt-  >und  Residenzstadt  Darmftadt  beauftragte  im
i)  Vergl.  „Der  Arbeitsnachweis  in  Deutschland",  Z.  Jahrg.,  Nr.  12.
s )  „Der  Arbeitsnachweis  in  Deutschland",  a.  a.  O.
            
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