Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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Berufsorganisation gesorgt werden sollte, bedarf keines Hinweises. 
Nun haben in gewissem Umfange die Berufsorganisationen selbst, 
namentlich der Gewerkverein der Heimarbeiterinnen Deutschlands, 
Arbeitsausgaben und Betriebswerkstätten eingerichtet. Ihnen ge 
genüber ist bei allen Versuchen, die Aufgabe als Ganzes zu erfassen, 
einheitlich und zentral zu organisieren, größte Rücksichtnahme er 
forderlich. Wenn auch in der Ueberspannung der Arbeitsvermitt 
lungstätigkeit durch die Organisationen die Gefahr liegt, daß die 
eigentlich gewerkschaftlichen Aufgaben in den Hintergrund treten 
und bezeichnenderweise für den gesunden gewerkschaftlichen Geist ge 
rade in diesen Kreisen, z. B. im Gewerkverein der Heimarbeiterinnen 
Deutschlands, davor gewarnt wird, so hat sich doch die Arbeitsbe 
schaffung durch den Berufsverband als äußerst wertvolles Agitati 
onsmittel erwiesen und den Organisationsgedanken in Kreise ge 
tragen, die ihm sonst sicherlich ferngeblieben wären. Aus diesem 
Grunde rechtfertigt sich wohl gegenüber den Organisationen eine 
besondere Vorzugsstellung, wenn auch andererseits von ihnen Ein 
gliederung in das Gesamtsystem zu fordern ist. 
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Unter allen Umständen muß klargestellt werden, daß Not 
standsarbeiten für Heimarbeiter nur auf größeren staatlichen oder 
gemeindlichen Aufträgen aufgebaut werden können. Die hier und 
da gemachten Versuche, private Aufträge wechselnder Natur zu über 
nehmen, scheitern an technischen Schwierigkeiten. Um z. B. die 
Anfertigung besserer Wäsche nach Maß oder nach besonderen Wün 
schen des Bestellers gut ausführen zu können, bedarf es nicht nnr 
vielseitig und gut geschulter Näherinnen, sondern auch Universal 
spezialisten von Direktricen, und diese sind teuer und nur für einen 
größeren Betrieb erschwinglich und rentabel. So anerkennens 
wert der Programmpunkt, die Arbeiterinnen zu „vielseitigen, erst 
klassigen Leistungen" emporzuheben, ist, so schwierig ist er doch in 
die Wirklichkeit zu übersetzen. Ganz tüchtige Arbeiterinnen finden 
stets auch ohne Hilfe eines gemeinnützigen Vereins ihr Brot. Was
	        
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