Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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Städten,  neu  einzuführen.  Aus  dem  Gutachten  eines  der  hervorragendsten ­
  österreichischen  Spitzenfabrikanten  sei  folgendes  entnommen: ­

„Die  Massenerzeugung  echter  Spitze  kann  meiner  Ansicht  nach
großstädtischen  Arbeiterinnen  niemals  einen  regelmäßigen  Vollerwerb ­
  bieten,  weil  die  Verkaufspreise  solcher  Spitze  keine  Entlohnung
ermöglichen,  die  den  städtischen  Lebensverhältnissen  entsprechen
würde.  Eine  Erhöhung  der  Verkaufspreise  halte  ich  aber  mit  Rücksicht ­
  nicht  nur  auf  die  ausländische  Konkurrenz,  sondern  vor  allem
auch  auf  die  vielen  inländischen  Konkurrenzartikel  wie  Stickereien
usw.  für  undurchführbar.  Zur  Erzeugung  in  der  Großstadt  könnten
sich  nur  Spezialitäten  mit  hohen  Verkaufspreisen  lohnen,  die  jedoch
einer  Heimindustrie  keine  genügende  Beschäftigung  bieten  und
besser  in  einer  Kunstwerkstätte  hergestellt  würden.  Außerdem  erfordern ­
  solche  Spezialitäten  eine  jahrelange  Uebung."
Der  Präsident  der  ö  st  e  r  r  e  ichi  s  ch  e  n  H  a  u  s  i  n  düst ­
  r  i  e  g  e  s  e  l  l  s  ch  a  f  t  hält  die  Einführung  von  Spitzenheimarbeit
in  Städten  laus  denselben  Gründen  für  „indiskutabel".  Die  gleiche
Anschauung  fand  die  Verfasserin  übereinstimmend  bei  den  Inhabern
leitender  Berliner  Spitzenfirmen,  die  in  größerer  Zahl  persönlich ­
  befragt  wurden.
Außer  der  durch  die  Verhältnisse  aufgezwungenen  niedrigen
Lohnstelbung,  der  sich  auch  die  gemeinnützigen  Organisationen  fügen
müssen,  solange  sie  nicht  Markt-  und  Preisbildung  beherrschen,  wird
die  Einführung  der  Industrie  der  echten  Spitze  dadurch  erschwert,
daß  bis  zum  wirklichen  Beherrschen  -der  Technik  mehrere  Jahre  vergehen. ­
  Erst  nach  langer  Zeit  ist  es  möglich,  die  nötige  Schnelligkeit ­
  zu  erzielen,  ja  man  hält  es  vielfach  für  notwendig,  daß  die
Grundlagen  schon  im  Kindesalter  gelegt  werden.  Namentlich  großstädtische ­
  Arbeiterinnen,  die  auf  schnelles  Verdienen  angewiesen
sind,  haben  aber  nicht  die  Geduld  und  Muße,  solange  sich  mit  einen:
sehr  bescheidenen  Verdienst  zu  begnügen,  wie  überhaupt  die  psychologischen ­
  Grundlagen  für  eine  so  mühsame  und  wenig  fördernde
Handarbeit  bei  Großstädterinnen  augenscheinlich  nicht  vorhanden
sind.
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