Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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findet,  so  in  Amerika  und  England;  auch  in  Deutschland  zieht  sie
sich  in  zurückgebliebene  läMiche  Gebiete  —  Schlesien,  Erzgebirge,
Bayerischer  Wald,  Fichtelgebirge  zurück,  sofern  sie  nicht  anderwärts
künstlich  aufgepfropft  wird;  in  Belgien  ist  sie  in  starkem  Rückgang
zu  gunsten  anderer,  lohnenderer  Arbeit.
Mit  wie  niedrigen  Löhnen  unsere  deutschen  Arbeiterinnen  den
Wettbewerb  aufzunehmen  haben,  deutet  eine  Mitteilung  des  Präsidenten ­
  der  „österreichischen  Hausindustriegesellschaft",  (früher
Spitzenkurs)  an,  nach  der  sich  infolge  des  internationalen  Wettbetverös
  der  durchschnittliche  Tagesverdienst  für  eine  gut  qualifizierte
Arbeiterin  bei  etwa  lOstündiger  Arbeitszeit  auf  höchstens  1  Krone
täglich  beläuft.  Es  handelt  sich  hier  also  um  Stundenvevdienst
von  8  Pfennigen.  Noch  geringer  dürften  die  Löhne  in  vielen  anderen ­
  Bezirken  sein.
Dieser  Wettbewerb  macht  sich  völlig  uneingeschränkt  auf  dem
Weltmarkt  geltend,  aber  auch  das  Inland  ist  bei  dem  herrschenden
System  von  geringen  Gewichtszöllen  so  gut  wie  ungeschützt.
Die  lohndrückende  Konkurrenz  der  Maschine  trifft  die  Industrie ­
  der  echten  Spitze  umso  stärker,  als  der  Lohn  einen  sehr  hohen
Teil  der  Herstellungskosten  ausmacht.  Während  er  in  der  Konfektion ­
  etwa  2—25  %  beträgt,  wird  er  in  der  Spitzenerzeugung  auf
ungefähr  90  %  beziffert.  Tatsächlich  sind  die  in  der  Spitzeicherstellung ­
  gezahlten  Löhne  recht  niedrig.  Jur  Erzgebirge  wurde  als
Durchschnittsverdienst  einer  tüchtigen  Klöpplerin  90  Pf.  bis  1  M.
pro  Tag  (im  Winter  1916—17!)  angegeben;  besonders  leistungsfähige ­
  erzielten  auch  wohl  1,10  bis  1,20  M.  Die  durch  die  staatlichen ­
  Klöppelschulen  ausgebildeten  Mädchen,  die  von  den  Schulen
mit  guten,  neuen  Mustern  versehen  werden  und  beste  Qualitäten  arbeiten, ­
  sollen  nach  Angabe  des  Direktors  der  Schneeberger  Spitzenmust'rklöppelschule
  es  auf  Tagesverdienste  von  1,50—2,00  M.,
allerdings  erst  nach  mehrjähriger  Tätigkeit  bringen;  persönliche
Untersuchungen  ergaben  allerdings,  daß  diese  Sätze  wohl  nur  von  besonders ­
  tüchtigen  Arbeiterinnen  erreicht  wurden,  ein  großer  Prozentsatz ­
  jedenfalls  darunter  blieb.
Die  bisherigen  Erfahrungen  ergeben  die  völlige  Unmöglichkeit,
die  Spitzenindustrie  als  Vollerwerb,  insbesondere  in  großen
            
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