Full text : Die Heimarbeit im Kriege

123  —

bedeutet  dann  aber  immer  eine  Abwälzung  des  Risikos  auf  den
Arbeiter.  Sobald  die  Nachfrage  etwas  sinkt,  wirtd  zuerst  die  Heimarbeit ­
  beschäftigungslos.
Weit  bedenklicher  noch,  als  der  Wettbewerb  der  mechanischen
Spitze  ist  der  des  Auslandes,  zumal  es  sich  hier  um  einen  Kampf
in  allen  Qualitäten,  auch  den  besten  und  künstlerisch  vollendetsten
handelt,  und  zwar  um  einen  Kampf,  der  mit  sehr  ungleichen  Betteln ­
  geführt  wird.
Als  Konkurrenzländer  auf  dem  deutschen  wie  ausländischen
Markt  kommen  hauptsächlich  in  Frage:  Oesterrveich-Ungarn  für
alle  Arten  und  Qualitäten  von  Spitzen;  Italien  besonders  für  die
genähte  Spitze;  Rußland  für  Klöppelspitze  (hier  ist  allerdings  der
Handel  noch  schlecht  organisiert,  es  kommen  nur  sehr  kurze  Stücke
auf  den  Markt  und  Nachbestellungen  sind  schwierig);  Irland  für
Häkelspitzen  und  Leinenstickerei;  Madeira  für  Handstickerei;  Belgien
und  Frankreich  insbesondere  für  Klöppel-,  aber  auch  Nähspitze  und
Handstickerei;  Syrien  in  neuester  Zeit  für  irische  Spitze  und  orientalische ­
  Arbeiten;  Japan  und  China  für  Klöppelspitzen  (die  chinesische ­
  Klöppelspitze  ist  -um  die  Hälfte  billiger  als  die  deutsche,  aber
der  Handel  ist  noch  nicht  sehr  gut  organisiert,  und  Nachbestellungen
der  gleichen  Stücke  sind  schwierig).  Um  welche  Mengen  es  sich  handelt, ­
  läßt  sich  aus  den  deutschen  Zollstatistiken  nicht  mit  Deutlichkeit
ersehen.  Für  Oesterreich  war  bis  zum  Kriege  das  Hauptabsatzland
Deutschland,  das  ein  Fünftel  bis  ein  Viertel  der  gesamten  österreichischen ­
  Produktion  aufnahm.  Doch  war  Deutschland  für  diese
Fabrikate  großenteils  wohl  nur  Durchgangsort  für  Amerika.
Charakteristisch  für  die  Hauptsitze  der  Spitzenindustrie  ist
die  Tatsache,  daß  es  sich  um  Länder  niederer  Kultur  und  verhältnismäßig ­
  billiger  Lebenshaltung,  größtenteils  um  ländliche  Industrien, ­
  meist  Neben-  und  Füllevwerb  handelt.  Dr.  Cronbach,
eine  der  'besten  Kennerinnen  der  Spitzenindustrie,  gelangt
in  dem  Buch  „Die  österreichische  Spitzenindustrie"  zu  dem  Ergebnis,
daß  die  Spitzenindustrie  der  höheren  Kultur  und  höheren  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  weicht.  Tatsächlich  sehen  wir,  daß  sie  in  den
Ländern  hochentwickelter  Industrie  mit  hohen  Löhnen  keinen  Boden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.