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geglichen), es befinden sich in!der gelernten Heimarbeit prozentual
nicht mehr ältere, also in ihrer Leistungsfähigkeit herabgesetzte
Leute als in der Werkstattarbeit. Diese Friedensgruppierung dürfte
wichtige Hinweise dafür geben, daß die hochgelernten, handwerks
mäßigen Hausgewerbe tatsächlich nicht für Berufsfremde in Frage
kommen, zumal für schwer Kriegsbeschädigte, bei denen das Um
lernen auf starke Schwierigkeiten stößt, und daß sie auch den Be
rufsangehörigen nicht wesentliche größere Aussichten bieten als der
geschlossene Betrieb.
Der Heimatdank in Sachsen hat aus Grund örtlicher Umfragen
eine Uebersicht iiber die Verwendungsmöglichkeiten schwer Kriegs
beschädigter in der sächsischen Hausindustrie herausgegeben, die
leider Praktisch wenig brauchbar ist, da sie nicht die verschiedenen
Arten der Beschädigung : 6erüdEficf)±igt und nur ganz generell die
verschiedenen Arten von Heimarbeit als geeignet oder ungeeignet
für Kriegsbeschädigte bezeichnet. Da im einzelnen Fall natürlich
ausschlaggebend ist, ob eine Arm- oder Beinverletzung, Blindheit
oder Krankheit vorliegt, läßt sich wenig aus der Tabelle entnehmen.
Von Bedeutung ist lediglich, daß sie in den handiverksmäßigeu
Hausindustrien die Aussichten nur für gelernte günstig beurteilt.
Im allgeineinen dürfte Wohl folgendes Bild zutreffend sein:
Der Kriegskranke, der in nicht sehr angestrengtem Tempo
nur kurze Zeit am Tage oder nur in unregelmäßigen Zeitabschnitten
arbeiten kann, hat in der Heimarbeit günstigere Aussichten, zumal
wenn er verheiratet ist und nötigenfalls seine Frau vor den Riß
treten kann. Für den Beinbeschädigten und Blinden, der durch seine
Verletzung am Aufsuchen der Fabrik gehindert ist, liegen ebenfalls
m der Heimarbeit größere Aussichten vor; praktische Versuche haben
allerdings erwiesen, daß der Beschäftigung Blinder in geschlossenen
Betrieben keineswegs unübersteigliche Hindernisse entgegenstehen,
daß ihre Entlohnung dort ein Mehrfaches des in der üblichen
Blindenheimarbeit (Stuhl- und Korbslechten, Bürstenmachen) er
zielten Verdienstes beträgt. Daß für Arm- und Handverletzte in
>) Kurze Beschreibungen der Heimarbeit im Rheinmainischen
Wirtschaftsgebiet, Frankfurt a/M. 1908.