Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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beiten.  Von  den  Vertretern  des  Kürschnergewerbes,  und  zwar  von  Meistern ­
  und  Jnnungsvorstchern  wurde  ans  das  Bündigste  versichert,  dost
eine  Erhöhung  der  Löhne  nicht  den  geringsten  Einfluß  aus  die  Exportfähigkeit ­
  üben  könnte,  weil  der  Preis  des  Rohmaterials  so  hoch  ist,  daß
die  Arbeitslöhne  demgegenüber  belanglos  sind.  Ein  Unternehmer  der
Konfektionsindustrie  erklärte,  daß  die  Exportfähigkeit  der  österreichischen
Konfektion  zum  großen  Teil  auf  der  Qualität  des  Produstes  ruhe  und
daß  der  letzte  Ausfuhrrückgang  nach  dem  Balkan  durch  die  Verschlechterung ­
  der  Güte  der  Ware  hervorgerufen  sei.  Allgemein  wurde  aber  anerkannt, ­
  auch  von  Arbeiterkreisen,  daß  den  Ausfuhrfragen  eine  sehr  große,
weitgehende  Berücksichtigung  zugestanden  werden  müsse.
Das  Heimarbeitsproblem  ist  in  Oesterreich  viel  schwerwiegender
als  bei  uns;  seine  Volkswirtschaft  ruht  in  viel  höherem  Maße  auf  der
hausaewerblichen  Erzeugung,  und  die  Lebensfähigkeit  vieler  Tausende
von  Kleinbauern  hängt  von  der  Ergiebigkeit  der  neben-  oder  hauptberuflich ­
  betriebenen  Heimarbeit  ab.  Um  so  bedeutsamer  ist  es,  daß  die
Regierung  bereits  zu  einer  Zeit,  als  nur  das  ferne  australische  Vorbild
winkte,  sich  zu  dem  Gedanken  der  staatlichen  Lohnregelung  bekannte,  der
allerdings  in  Oesterreich  mit  seiner  genossenschaftlich-ziinftlerischen  Handwerksverfassung ­
  kein  Novum  ist.
3.  Frankreich.
Wie  in  Oesterreich,  so  hatten  auch  in  Frankreich  die  Entwürfe
einer  Hausarbeiterschutzgesetzgebung  seit  einer  Reihe  von  Jahren
das  Parlament  lebhaft  beschäftigt,  im  großen  und  ganzen  mich  hier
ein  Fortschreiten  von  unvollkommenen  zu  besseren  Entwürfen
bringend?)  Augenscheinlich  hat  die  englische  Gesetzgebung  eine
starke  Wirkung  ausgeübt,  wenn  auch  von  Arbeitgeberseite,  die  in
der  zur  Vorbereitung  der  Entwürfe  eingesetzten  Comission  permanente ­
  ein«  große  Rolle  spielte,  ein  kräftiger  Guß  Wasser  in  den
Wein  gegossen  wurde.  Immerhin  weist  das  Gesetz,  das  im  November ­
  1913  einstimntig  in  der  Deputiertenkammer  angenommen
wurde,  gegenüber  den  früheren  Regierungsentwürsen  wesentliche
Vorzüge  auf.  Indessen  zögerte  sich  die  Bestätigung  durch  den
Senat  hin,  und  erst  die  bitteren  Kriegserfahrungen  mit  der  Heimarbeit, ­
  die  augensichtlich  auf  jener  Seite  der  großen  Schützengrabeni)

  Bergt.  Gaebel,  Die  Heimarbeit,  Jena  1918.  Seite  196.
            
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