Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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lich,  daß  sich  angesichts  einer  solchen  Gestaltung  der  Ruf  nach
Staatshilfe  dringlicher  denn  je  erhebt.  Das  völlige  Fiasko  des
Hausarbeitgesetzes,  wenigstens  in  dem  geringen  Ausmaß  der  derzeitigen ­
  Durchführung,  führt  dieser  Bewegung  neue  Nahrung  zu.
Ist  sie  auch  zunächst  auf  eine  kräftige  und  wohlwollende  Durchführung ­
  der  bestehenden  gesetzlichen  Bestimmungen  gerichtet,  so
darf  sie  darüber  nicht  das  Endziel  vergessen,  das  seit  Jahrzehnten
von  den  sachverständigen  Sozialpolitikern  aller  Richtungen  und
aller  Länder  vertreten  wird:  die  Schaffung  paritätischer  Ausschüsse ­
  mit  der  Befugnis,  die  Löhne  rechtsverbindlich  festzusetzen.
England,  Frankreich,  Amerika  sind  dem  von  Australien  zuerst  betretenen ­
  Wege  gefolgt;  in  Norwegen  und  Oesterreich  liegen  entsprechende ­
  Regierungsentwürfe  vor,  in  der  Schweiz  und  Belgien
ist  die  Frage  mit  großer  Eindringlichkeit  erörtert.  Ueberall  drängen
die  gleichen  Ursachen  zur  gleichen  Lösung,  die  als  einziger  Ausweg
ans  dem  Wirrfal,  als  einzige  Möglichkeit,  Regel  und  Festigkeit
in  das  Chaos  zu  bringen,  erscheint.
Das  deutsche  Beispiel  der  rechtsverbindlichen  Festsetzung  der
Heereslöhne  erweist  in  erster  Linie  seine  rechtliche  und  technische ­
  Möglichkeit.  Die  Besorgnis  der  Sozialpolitiker,
ob  die  Heimarbeiter  in  ihrer  Schwäche  und  Unwissenheit ­
  nicht  die  Durchführung  der  schönsten  Lohnfestsetzungen
illusorisch  nrachen  würden,  haben  die  Erfahrungen  unserer
Schlichtungskommissionen  als  unbegründet  erwiesen.  Die  -Heimarbeiter ­
  haben  sich,  obwohl  die  gesetzlichen  Bestimmungen  nicht
sofort  Gemeingut  werden  konnten,  obwohl  die  Rechtsverbindlichkeit
der  Tariflöhne  ein  Novum  ist,  das  nicht  sofort  in  das  Rechtsbewußtsein ­
  von  Arbeitgebern  uild  Arbeitnehmern  übergehen  konnte,
gegen  Unterbezahlung  gewehrt.  Die  zahlreichen  Streitfälle,  die
allwöchentlich  vor  den  Schlichtungskommissionen  entschieden  werden, ­
  die  erheblichen  Lohnsummen,  die  auf  den:  Klagewege  der  Heimarbeit ­
  zugeführt  werden,  legen  ein  Zeugnis  dafür  ab,  daß  die  Lohnfestsetzungen ­
  der  Heeresbehörden  nicht  nur  auf  dem  Papier  stehen.
Mögen  auch  zahlreiche  —  bewußte  und  unbewußte  —  Unterbezahlnngen
  vorkommen  —  der  großen  Masse  der  Heimarbeiter  ist  durch
Leiinarbeit  im  Kriege.  12
            
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