Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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ferngehalten werden. Wer einen Einblick in die Stätten der Heini- 
arbeiter getan hat, wie Schmutz in allen Ecken und auf allen 
Möbeln liegt, wie auf dem mit fchmutzigen Fellstücken bedeckten 
Tisch Brot liegt und offene Butter steht, an >der die Tierhaare kleben, 
wie kleine Kinder in dem Schmutz am Boden liegen und mit der 
einen Hand die Abfälle (mit Quecksilber gebeizt) fassen und in der 
anderen ein Stiick Brot halten, der wird nicht anders können, 
als zu sagen: fort mit dieser Arbeit aus den Wohnstätten! Vor 
schläge zu einer Reform können wir nicht machen; wenn fiir irgend 
ein Gewerbe das Verbot der Heimarbeit berechtigt ist, so für die 
Haseithaarschneiderei." Daß sich bei der L u m P e n s o r t i e r e r e i 
nicht minder unerfreuliche Zustände sinden, bedarf keines Hinweises. 
Das Uebel all dieser mit großer Schmutzentwicklung verbun 
denen Hausgewerbe liegt nicht zum mindesten darin, daß sie das 
ganze Niveau des Haushalts herabdrücken und die Kinder so an 
Staub und Schmutz gewöhnen, daß sie ihn als etwas Unvermeid 
liches betrachten. Neben sanitären Erwägungen sollten daher bei 
Behaiwlung des Problems auch die erziehlichen volle Berücksichtigung 
finden. Verwandelt die Hausarbeit die Wohnung in eine schmutzige, 
ungemütliche Werkstatt, so überwiegen die Nachteile bei weitem das, 
was etwa an der glücklichen Verbindung der Berufsarbeit mit den 
häuslichen Pflichten der Mutter Gutes ist. 
Ueber die Herstellung von Que ck s i l b e r t h e r m o- 
Metern, Gummi waren und das Lu m p e n s o r t ie - 
r e n hat die Regierung Erhebungen angestellt, die aber zu 
keinen greifbaren Ergebnissen geführt haben; in der Thermometer 
industrie sollen in den letzten Jahren Quecksilbervergiftungen nicht 
mehr nachgewiesen fein, was nach Ansicht der Gewerbeinspektion 
für Sachsen-Coburg und Gotha darauf zurückzufiihren ist, daß die 
gesundheitsschädlichen Quecksilberar'beiten nach isolierten, sonst nicht 
benutzten und gut ventilierten Räumen verlegt sind. Allerdings 
scheinen die Gefahren doch nicht so völlig beseitigt zu sein, denn 
1914 berichtete die Gewerbeinspektion ArnstM von einer Thermo- 
meterinacherfamilie, in der drei Kinder infolge Quecksilbervergif 
tung der Sprache verlustig gegangen, nahezu völlig verblödet und
	        
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