betätigte sich Adam Uelk, als Leiter des damals nur bescheidenen
wirtschaftlichen Teils der Zeitung Ludw. Mar hoff er.
Die Arbeitskraft Julius Bachems war aber in der aufreibenden
Tagesschriftstellerei nicht erschöpft; er spielte auch im öffent
lichen Leben eine Rolle. Als im Jahre 1875 die Zentrumspartei
zum erstenmal ihre sämtlichen Stadtratskandidaten in der
dritten Wählerabteilung durchbrachte, kam auch Julius Bachem
(mit Dr. Röckerath, Kanzler Schenk, Justizrat Landwehr, Dr.
med. Braubach) in die Stadtverordneten-Versammlung, der er bis
1891 angehörte. Als ihn 1876 der Kreis Mülheim-Sieg-Wipper-
fürth zu seinem Vertreter im preußischen Abgeordnetenhaus
wählte, übernahm der damalige Domkapitular Dr. Alfons
Bell es heim zur Entlastung der Schriftleitung die Bear
beitung der Auslandsberichte. Die KV erfreute sich dafür bis
1890 der fast täglichen, teilweise umfangreichen Berichte Bachems
aus Berlin.
Daß es für einen an Zahl so beschränkten Redaktionsstab eine achtens
werte Leistung bedeutete, ein täglich zweimal erscheinendes Blatt mit
verhältnismäßig wenigen regelmäßigen Mitarbeitern als führendes Organ
einer großen Partei zu gestalten, wird man anerkennen. Dabei waren
die 1870er Jahre für katholische Schriftleiter recht dornenreich. Bei der
gegensätzlichen Auffassung vieler Dinge ließen sich trotz aller Vorsicht
zahlreiche Zusammenstöße mit der öffentlichen Gewalt nicht vermeiden;
in der Zeit vom 9. Juli 1872 bis 2. Mai 1875 wurde die Zeitung dreißigmal
beschlagnahmt, und in der Mehrzahl erfolgten Verurteilungen, und zwar
zu Geldstrafen von 30 bis 450 M. Einmal machte Brückmann zwei Monate
lang Bekanntschaft mit der Festung Ehrenbreitstein.
Trotz schlechter geldlicher Abschlüsse während des Kriegsjahres 1870
hatte Josef Bachem am 1. Januar 1871 die Ausdehnung der Zeitung auf
zwei Bogen gewagt. Aber die Hoffnung, daß die Zukunft des Blattes in
der nächsten Zeit gesichert werden möchte, erfüllte sich noch nicht.
In einem kritischen Zeitpunkt um das Jahr 1874 rettete das neue Preß-
gesetz vom 7. Mai im Verein mit dem Sinken des Papierpreises das Blatt
vor dem Eingehen. Das Gesetz von 1874 brachte nämlich neben der
Rückzahlung der hinterlegten Sicherheiten die Aufhebung des
Zeitungsstempels, der schon 1870 bei 6400 Beziehern jährlich 11000
Taler betragen hatte. Obgleich auch in den nächsten Jahren noch von
einer Einträglichkeit kaum gesprochen werden konnte, entschloß sich
der Verleger doch im Jahre 1878 zu der wöchentlichen Beigabe einer
Dritten Ausgabe. Seit Dezember 1872 wurden die beiden täglichen
Ausgaben, die in Köln schon früher einzeln ausgetragen wurden, auch nach
auswärts getrennt, vor- und nachmittags, versandt. Von 1880 ab kam ein