Ergebnisse 121
„So findet sich in der Tat — schreibt Böhm-Bawerk — im
ganzen Verlauf des Preisbildungsprozesses ... nicht eine einzige
Phase, nicht ein einziger Zug, der nicht ganz voll auf den Stand
subjektiver Wertschätzungen als auf seine Ursache sich zurückführen
ließe, und wir können demnach mit vollem Rechte den
Preis als die Resultantederauf dem Marktesich
begegnenden subjektiven! i Wertschätzungen
von Ware und Preisgut bezeichnen.“ Doch ‘ist
ein derartiger Gesichtspunkt, wie bereits im ersten Abschnitt auseinandergesetzt,
unzulässig: Er berücksichtigt nicht die Grundtatsache
des gesellschaftlichen Verhältnisses zwischen den Menschen
— eines Verhältnisses, das im vornherein gegeben ist und
das die individuelle Psyche jedes einzelnen bildet, indem es sie
mit gesellschaftlichem Inhalt erfüllt. Jedesmal daher, sobald die
Theorie Böhm-Bawerks individuelle Motive hervorholt, um aus
ihnen ein soziales Phänomen abzuleiten, wird dieses soziale Element
in mehr oder weniger versteckter Form bereits im voraus
eingeführt, so daß die ganze Konstruktion zum falschen Zirkel,
zu einem ununterbrochenen logischen Fehler wird; ein Fehler,
der nur dem Scheine nach als Erklärung dienen kann, in Wirklichkeit
aber nur die völlige Fruchtlosigkeit der modernen bourgeoisen|
Theorie demonstriert. So hat es sich bei der Analyse
der Preistheorie gezeigt, daß von den sechs „Bestimmungsgründen‘
der Preisbildung in Wirklichkeit kein einziger befriedigend
von Böhm-Bawerk erklärt wurde. Die Böhm-Bawerksche
Werttheorie vermochte nicht das Preisphänomen zu erklären.
Der eigenartige Fetischismus der Österreichischen Schule, der
ihren Anhängern individualistische Scheuklappen aufsetzt und
den dialektischen Zusammenhang zwischen den Erscheinungen
für sie unsichtbar macht — jene gesellschaftlichen Fäden, die
sich vom Individuum zum Individuum ziehen und allein nur
aus dem Menschen das „gesellschaftliche Tier‘‘ machen — dieser
Fetischismus zerstört schon an der Wurzel jede Möglichkeit,
die Struktur der modernen Gesellschaft zu begreifen. Dieses
Problem zu lösen, bleibt nach wie vorder Marxschen
Schule vorbehalten.
86 Ib. S. 503.