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Das im Antwerpener Haîen angelegte belgische Kapital
belâuft sich demnach im ganzen auf 480 Mill. Fr, und der zur
Verzinsung und Tilgung Verfügbare Ertrag auf 1 %,
Fine derartige Finanzpolitik wâre offenbar nicht zu recht-
fertigen, wenn man durch diese Handelsweise nicht ,,Gold sate
für's ganze Land“. 23 )
Darum zogerte die Regierung auch nicht, der Kammer eine
neue Ausgabe von etwa 120 Mill, Fr. zur Ausbreitung der
Schiffahrtseinrichtungen vorzustellen,
,,Falls der Antwerpener Hafen nicht umgestaltet wird,“
schrieb der Minister Renkin, „ist er dem Untergange geweiht,
und die Einnahmen der Staatskasse, Belgiens Handel und
Industrie werden mit ihm in Verfall geraten. Entschîiefit sich
das Land dagegen zu der Kraftanstrengung, welche die Regie
rung in weiser Voraussicht von ihm erheischt, so wird der
Wohlstand des Landes durch die unzweifelhaften Wirkungen
der vorgestellten Werkc verbürgt sein, ohne da.B ein Centime
an neuen Steuern bezahlt zu werden braucht." 21 )
GewiB, aber immerhin doch nur unter der Voraussetzung,
daB ein Verkehrszuwachs von über 100% Hand in Hand gingc
mit der Inbetriebsetzung der 34 km Kaie und 507 ha Bassins,
die uns diese Werke bringen würden, Belgien allein hâtte
nie mehr als einen ganz geringen Teil davon liefern kônnen;
demnach muB die Regierung auf eine entsprechende Steigerung
der Durchfuhr, und zwar vor allem der deutschen Durchfuhr
gerechnet haben, Ihre ganze Transportpolitik ist übrigens ein
Beweis dafür.
„Antwerpen wird dieses Hinterlandes mehr als je be-
dürfen, wenn die aufierordentliche LIafenausbreitung Tatsache
geworden ist,” sagte der Abgeordnete Dr, Van de Perre hin-
sichtlich dieser Sache- 25 )
«
* *
In seiner Studie „La politique des transports en Belgique”
drückt De Leener sich folgendermaBen über das finanzielle
Eingreifen des Staates zugunsten Antwerpens ans:
23 ) Minister Van den Peerebom; siehe oben, S, . .
**) 4- Renkin, Anvers; installations maritimes et système défensif, p. 32.
■°) A. van de Perre, De bevaarbaarmaking der Maas enz., blz, 32.