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6. Jetzt gehe ich über zu dem Triumphe meines
Lebens!
Um Ihnen alles, was nötig ist, über den Roman
meines Lebens zu sagen, muß ich einiges aus dem Lebens
roman anderer berühren.
Im Januar 1846 machte ich in Berlin die Bekanntschaft
der Gräfin Hatzfeldt, die Sie kennen. Es ist eine Frau,
von deren Seelengröße ich Ihnen keinen richtigen Be
griff geben kann. Aber so hoch auch der Adel ihrer Seele,
so tief auch ihr Verstand ist, ebenso groß ist auch das
Elend ihres Schicksals.
Ihr Mann, zugleich ihr Cousin, Graf Edmund
Hatzfeldt, haßte sie, quälte und verfolgte sie auf un
würdige Weise, wie man es in den überspanntesten
Romanen nicht findet.
Im Besitze von fünf Millionen, der Reichste von der
ganzen Familie, im Besitze aller Vorrechte und Macht,
welche damals und auch jetzt noch unsere höhere Aristo
kratie besaß (es ist eine der bedeutendsten Familien in
ganz Deutschland), kannte er keine Grenzen in den
Qualen, denen er sie in seinem Hasse unterwarf. Er hielt
sie in seinen Bergschlössern gefangen, versagte ihr Arzt
und Arznei während ihrer Krankheiten, entriß ihr fort
während, durch heimliche Entführungen, ihre Kinder —
das ganze Leben dieser entschlossenen Frau war ein fort
währender Kampf um ihre Kinder, den sie erst gewann,
aber immer wieder von neuem verlor. Er ließ sie ohne
alle Eristenzmittel, und während er ein enormes Ver
mögen verschwendete und sein Leben in den unwürdigsten
Ausschweifungen durchbrachte, unterstützte und erkaufte
er Verleumdungen gegen sie.