man auf alle mögliche Art und Weise verfolgte. Dies
geschah wohl deshalb, weil meine Haltung, die Haltung
eines Mannes, der stark durch sein Recht und auf seine
Kraft vertrauend, ganz allein gegen die ganze Welt
ankämpfte, dieser unerschütterliche Wille, diese Frau
um jeden Preis zu schützen, selbst meinen Feinden
imponierte. Man fühlte nicht genügenden moralischen
Mut, offen diesem eisernen Willen zu widerstreben, der
hinlänglich bewiesen hatte, daß er vor keinem Opfer
zurückschrecke, und meine Feinde hatten endlich mich
achten gelernt, wie ich mehrfach die Beweise davon
gehabt habe.
Nach 1848 trat in den Prozessen der Gräfin eine
große Änderung ein. Vor der Revolution, in den Jahren
1846 und 1847, begegneten die Richter diesen Pro
zessen mit Sympathie, denn zu dieser Zeit hatten unsere
Richter noch vielfach liberale Anwandlungen und eine
Abneigung gegen den Adel. Aber mit der Revolution
und Gegenrevolution von 1848 änderte sich dies alles
mit einem Schlage. Der reaktionäre und antirevolu
tionäre Haß herrschte jetzt in unsern Tribunalen mit
blinder Leidenschaftlichkeit. Und da man die Gräfin
mit mir identifizierte, und ich der gehaßte Führer der
Revolutionspartei in der Provinz war, so war dieser
solidarische Haß Grund genug, daß die Gräfin alle ihre
Prozesse verlor. Auch der Graf tat sein möglichstes.
Die Gräfin verlor also einen Prozeß nach dem andern.
Es verging fast keine Woche, die uns nicht in dieser zahl
losen Masse von Prozessen, die ich gegen den Grafen
begonnen hatte, ungünstige, uns vernichtende Urteile
brachte! Ich wurde fortwährend geschlagen!
7 Großmann, Lassalle
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