Full text: Ferdinand Lassalle

man auf alle mögliche Art und Weise verfolgte. Dies 
geschah wohl deshalb, weil meine Haltung, die Haltung 
eines Mannes, der stark durch sein Recht und auf seine 
Kraft vertrauend, ganz allein gegen die ganze Welt 
ankämpfte, dieser unerschütterliche Wille, diese Frau 
um jeden Preis zu schützen, selbst meinen Feinden 
imponierte. Man fühlte nicht genügenden moralischen 
Mut, offen diesem eisernen Willen zu widerstreben, der 
hinlänglich bewiesen hatte, daß er vor keinem Opfer 
zurückschrecke, und meine Feinde hatten endlich mich 
achten gelernt, wie ich mehrfach die Beweise davon 
gehabt habe. 
Nach 1848 trat in den Prozessen der Gräfin eine 
große Änderung ein. Vor der Revolution, in den Jahren 
1846 und 1847, begegneten die Richter diesen Pro 
zessen mit Sympathie, denn zu dieser Zeit hatten unsere 
Richter noch vielfach liberale Anwandlungen und eine 
Abneigung gegen den Adel. Aber mit der Revolution 
und Gegenrevolution von 1848 änderte sich dies alles 
mit einem Schlage. Der reaktionäre und antirevolu 
tionäre Haß herrschte jetzt in unsern Tribunalen mit 
blinder Leidenschaftlichkeit. Und da man die Gräfin 
mit mir identifizierte, und ich der gehaßte Führer der 
Revolutionspartei in der Provinz war, so war dieser 
solidarische Haß Grund genug, daß die Gräfin alle ihre 
Prozesse verlor. Auch der Graf tat sein möglichstes. 
Die Gräfin verlor also einen Prozeß nach dem andern. 
Es verging fast keine Woche, die uns nicht in dieser zahl 
losen Masse von Prozessen, die ich gegen den Grafen 
begonnen hatte, ungünstige, uns vernichtende Urteile 
brachte! Ich wurde fortwährend geschlagen! 
7 Großmann, Lassalle 
193
	        
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