Full text : Ferdinand Lassalle

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betrachtet  alles  mit  dem  Auge  eines  Philosophen.  Wir  sind
nicht  seine  Vorgesetzten.  Den  Begriff  Vorgesetzten  gibt
er  überhaupt  nicht  zu.  Wir  sind  seine  Untergebenen,  denn
wir  werden  ja  bezahlt,  überhaupt  Liebe,  Hochachtung,
Dankbarkeit,  die  kennt  Lassal  nicht.  Alles,  was  aus  dem
Herzen  kommt,  ist  ihm  unbekannt,  sowie  das  Wort  Herz
selbst.  Er  hat  zu  niemand  Liebe.  Sein  Grundsatz  ist
Liebe  usw.  zu  heucheln,  solange  er  jemand  benutzen  kann."
„Ein  schöner  Grundsatz!"  höhnte  der  Alte.  „Dabei",
fuhr  Schiebe  fort,  „weiß  er  sich  einen  Schein  zu  geben."
„Einen  Schein,"  wiederholte  Schierholz.  „Einen  Schein,"
tönte  es  aus  Fellers  Lippen  wie  daö  Echo  in  Adersbach.
„Du  tatest  am  besten,"  sagte  nun  der  Alte,  „du  würdest
Komödiant.  Da  könntest  du  heute  den  Shylock  und
morgen  eine  andere  schlechte  Rolle  geben,  denn  du  bist
zu  jeder  schlechten  Rolle  fähig."
Und  in  diesem  Stile  ging  das  fort.
Hierauf  wurde  ich  ersucht,  hinauszutreten.  Als  ich
wieder  hineinkam,  las  mir  Herr  Direktor  ein  Urteil
vor:  Ich  hätte  drei  Wochen  Hausarrest,  und  wenn  ich
mir  noch  einmal  etwas  gegen  das  Regulativ  zuschulden
kommen  ließe,  würde  an  den  Vorstand  Anzeige  gemacht ­
  werden.  Als  ich  nach  Hause  kam,  war  schon  ein
Brief  Sch.s  an  Hander  angelangt,  in  dem  er  ihm  meinen
Hausarrest  anzeigte  und  ihn  ersuchte,  im  Fall,  daß  ich
ausginge,  es  ihm  anzuzeigen.  „Die  Justiz  würde  dann
prompt  sein,"  fügte  er  hinzu.
Dieser  Satz  jagte  nun  H.  viel  Schrecken  ein.  Er  zeigte
ihn  meinem  Cousin  und  legte  ihn  so  aus,  daß  Schiebe
mich  wegweisen  könne.  Zwar  ist  Schiebes  Macht  groß,
aber  das  kann  er,  Gott  sei  Dank,  nicht  so  leicht.  In  meinen
            
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