wären, so daß diese nicht lehren dürfte, diese Einrich
tungen sind mangelhaft oder schädlich, ungerecht oder
verderblich — wessen Geist wäre dann so allumfassend,
so überschauend die Geister aller seiner Zeitgenossen
und der nachftlgenden Generationen, daß er auch nur
eine Ahnung zu haben vermöchte, welche segensreiche
Entdeckungen, welche fruchtbringendsten Entwicklungen,
welche Bereicherungen des Geistes durch diese eine feste
Grenze gegen Mißbrauch im Keim erstickt werden, welche
gewalttätige Erschütterungen oder welcher Verfall dadurch
über den Staat heraufbeschworen werden könnten?
Zudem, was ist Gebrauch und waS Mißbrauch in
der Wissenschaft, wo scheiden sich beide und wer be
stimmt dies? Dies müßte — so erleuchtet Sie ohne
allen Zweifel sein mögen, meine Herren Präsident und
Räte, und gerade je erleuchteter Sie sind, desto lebhafter
werden Sie dies selbst fühlen — nicht ein Gerichtshof
sein, sondern ein Hof, zusammengesetzt aus der Blüte
aller wissenschaftlichen Kapazitäten der Zeit in allen
Fächern und Zweigen der Wissenschaft. Was sage ich?
AuS der Blüte aller Kapazitäten der Zeit? Nein, auch
noch aus der aller Folgezeiten! Denn wie oft zeigt uns
nicht die Geschichte gerade die bahnbrechenden Geister
der Wissenschaft im feindlichsten Gegensatz mit der Wissen
schaft ihrer Tage!
Nach fünfzig-, nach hundertjährigen Debatten oft ist
in der Wissenschaft erst festgestellt, was Gebrauch, was
Mißbrauch war. —
In der Tat ist auch seit der Verfassung noch niemals
eine Anklage gegen eine wissenschaftliche Lehre versucht
worden.
4 «r»ßmann, Lassa»«
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