Full text : Ferdinand Lassalle

Wie  leicht  wäre  es  gewesen,  in  diesen  Worten,  wenn  sie
anderwärts  gestanden  hätten,  öffentliche  Schmähung  der
Einrichtungen  des  Staats  oder  Anreizung  zu  Haß  und  Verachtung ­
  gegen  die  Anordnungen  der  Obrigkeit  zu  finden!
Aber  sie  standen  in  einem  wissenschaftlichen  Werk,
sie  waren  ein  Resultat  sorgfältig  ausgeführter  wissenschaftlicher ­
  Lehre  —  und  so  blieben  sie  unverfolgt!
Aber  freilich,  das  war  noch  vor  zwei  Jahren!
Der  Anklage,  welche  gegen  mich  erhoben  wird,  schleudere ­
  ich  meinerseits  die  Anklage  entgegen,  durch  den
heutigen  Tag  über  Preußen  die  Schmach  gebracht  zu
haben,  daß  zum  ersten  Male,  seitdem  dieser  Staat  besteht,
die  Lehre  der  Wissenschaft  vor  das  Forum  des  Strafrechts ­
  gezogen  wird!
Präsident:  Ich  muß  Sie  wegen  dieser  Ausdrucksweise ­
  zur  Ordnung  rufen.  Kein  preußischer  Richter  kann
es  dulden,  daß  in  dieser  Weise  eine  Verteidigung  geführt
wird.  Ich  werde  Ihnen  das  Wort  entziehen  und  es
Ihrem  Verteidiger  übertragen.
Angeklagter:  Das  werden  Sie  nicht,  Herr  Präsident! ­
  Wenn  Sie  mir  das  Wort  entziehen,  so  werde  ich
der  Gewalt  weichend  mit  meinem  Verteidiger  den  Saal
verlassen.  Aber  die  Verteidigung  wird  frei  sein  oder
gar  nicht!
Staatsanwalt:  Ich  bitte,  wenigstens  protokollarisch
von  diesen  Ausdrücken  Akt  zu  nehmen.
Lassalle  (fortfahrend):  Oder  was  wird  mir  der
Staatsanwalt  antworten,  wenn  er  in  tbosi  meine  Ausführungen ­
  zugeben,  wenn  er  anerkennen  muß,  die
Wissenschaft  und  ihre  Lehre  sei  frei,  und  also  frei  von
jeder  strafrechtlichen  Beschränkung?

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