Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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Man könnte diese Beispiele beliebig vermehren, so häufig
sind sie! Daß die Schutzzölle den Latifundienbesitzern
besonders zugute kommen, wo guter Absatz der Produkte
ist, ist offenkundig, aber das darf uns nicht abhalten, der
Wahrheit die Ehre zu geben, daß sie für die Bauern not
wendig waren. Wir können nicht so wohlfeil die Agrarfrage
der Gegenwart lösen, wie es in der letzten Wahlagitation ein
freisinniger Kandidat machen wollte. Befragt, wie er ge
dächte, der landwirtschaftlichen Notlage abzuhelfen, ant
wortete er ganz unverfroren, die Bodenpreise seien zu hoch,
sie müßten sinken, dann würden die Bauern schon ihre
Existenz finden. Er meinte damit, daß die Besitzer ihr
Anwesen aufgeben sollten, wenn sie nicht mehr auf ihm
leben könnten. Aber Mittel und Wege, die Schuldver
pflichtungen zu mildern und abzulösen, gab er nicht an.
Das sind natürlich oberflächliche Ansichten.
Wenn also auch die Großgrundbesitzer bei den Zöllen
am meisten gewonnen haben, so waren dieselben doch
notwendig, um den Bauernstand zu halten. Unter 5,227,344
landwirtschaftlichen Betrieben sind in Deutschland nur
778,932 von 10 Hektaren, und da meint man, daß der kleine
Besitzer gar keinen Nutzen davon gehabt, da er wenig oder
fast nichts zu verkaufen habe. Nun ist aber zu beachten,
daß das erste, wofür der Landmann sorgt, nicht einmal
die ausreichende Befriedigung von Nahrung und Kleidung
ist, sondern die Sicherung von Wohnung bzw. seine Heimats
stätte. Er sorgt zuerst, daß er wohnen bleiben kann, daß
ihn der Gläubiger nicht von Haus und Hof treibt, wenn
man von den Leichtsinnigen absieht, welche aber gottlob
eine verschwindende Minderheit bilden. Auch der kleine
Bauer verzehrt seine Früchte nicht zuerst, sondern bringt
sie zu Markte, um Geld zur Befriedigung der Gläubiger
zu haben. Und da ist klar für jeden, der die Verhältnisse
als wahr kennt, daß auch die Zölle ihm nützen. Ohne sie
Wehberg, Die Bodenreform. 4